Erkelenz: Friedliche Demonstration für die Demokratie
VON KRISTINA HELLWIG - zuletzt aktualisiert: 08.08.2009Erkelenz (RPO). Die Gruppe auf dem Johannismarkt zog gestern Mittag die Blicke auf sich. "Ist da etwas Besonderes los?", fragte ein Passant. Dass dort rund 80 Menschen gegen eine Veranstaltung der rechtsextremen NPD demonstrierten, fand der junge Mann gut – und ging weiter. Manch anderer schloss sich der Veranstaltung an, zu der das "Bündnis gegen Rechts" keine 24 Stunden vorher aufgerufen hatte. Im Bündnis vereinte Vertreter von politischen Parteien, vor allem von SPD und Grünen, Kirchen, Gewerkschaften, sozialen Einrichtungen und etliche Bürger kamen.
Friedlich und entspannt, ja fast ein bisschen wie auf einem Sommerfest ging es zu im Schatten der Lambertuskirche, doch von ihrem Anliegen und dem ernsten Hintergrund der Veranstaltung machten die Teilnehmer keinen Hehl. "Wir haben gehört, dass Nazis auf dem Weg zu uns sind", rief DRK-Geschäftsführer Wilfried Mercks, einer der Initiatoren des Bündnisses, ins Megafon. "Aber wir lassen nicht zu, dass die Nazis stickum zu uns kommen. Wir wollen sie auch nicht im Kreistag und in den Städten haben."
Bei den Kommunalwahlen am 30. August tritt die NPD flächendeckend in allen Wahlbezirken für den Kreistag, in Erkelenz und in Hückelhoven an. Die Gefahr, dass die Rechtsextremen auch im Kreis Heinsberg Fuß fassen, sei groß, sagte Versammlungsleiter Christian Ehlers im RP-Gespräch. "Wir unterschätzen das nicht mehr." Bei seiner Arbeit in der Integrationsagentur des Diakonischen Werkes würden er und seine Kollegen immer wieder mit fremdenfeindlichen Handlungsweisen konfrontiert. "Das macht mir Angst." Und auch wenn die rechten Parteien bei Wahlen nicht die Prozentzahlen erreichten, die ihnen lieb seien, "fallen ihre Parolen doch immer wieder auf fruchtbaren Boden", sagt Ehlers. "Dagegen müssen wir argumentieren, Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und Orientierung für Jugendliche schaffen."
Genau das ist das Ziel des "Bündnis gegen Rechts". Auch wenn es jetzt schon aktiv geworden ist, gründet es sich offiziell erst am Dienstag, 29. September, 19 Uhr in der evangelischen Kirche in Ratheim. Wer das Bündnis inhaltlich unterstützen möchte, sei bei der ansonsten nicht-öffentlichen Veranstaltung willkommen, informieren die Initiatoren. Neonazis sind mit Berufung auf das Versammlungsrecht von der Teilnahme ausgeschlossen.
Die angekündigten rund 25 NPD-Wahlkämpfer blieben gestern auf dem Erkelenzer Johannismarkt übrigens aus. Sie schlugen stattdessen am frühen Nachmittag im Heinsberger Ortsteil auf, wo der Sexualstraftäter Karl D. lebt. Dort allerdings habe ihnen die Bevölkerung die kalte Schulter gezeigt, berichtete ein Polizeisprecher.
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