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Heinsberg: Geschichte live: Stefan Aust erzählt

VON DANIELA GIESS - zuletzt aktualisiert: 27.02.2009 - 12:23

Heinsberg (RPO). Die Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, die Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut, die Selbstmorde der ersten Generation der RAF (Rote Armee Fraktion) in den Gefängniszellen von Stuttgart-Stammheim: Das war der Deutsche Herbst 1977, eine der schwersten Krisen in der Geschichte der Bundesrepublik.

Es-Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust war zu Gast in Heinsberg. Foto: Günter Passage

Stefan Aust, langjähriger Spiegel-Chefredakteur und Autor des verfilmten Bestsellers „Der Baader-Meinhof-Komplex“, hat diese Zeit hautnah miterlebt. Am Mittwochabend sind fast 300 Menschen gekommen, um ihm in der Heinsberger Stadthalle zuzuhören. Die Buchhandlung Gollenstede hatte Aust eingeladen.

Ulrike Meinhof, Jan Carl Raspe, Anwalt Horst Mahler – Aust kannte sie. Als junger Mann lernte der heute 62-Jährige in den Sechzigerjahren Ulrike Meinhof kennen. Sie arbeitete für die Zeitschrift „Konkret“ wie er. Rechthaberisch sei sie gewesen, erinnert sich Stefan Aust. „Sie war eine sehr kluge, eindrucksvolle Person, die politisch sehr strikt dachte.“ Eine Journalistin „mit einer bemerkenswerten, tollen Stimme“.

Eine, die für vieles verantwortlich war, was die Terrororganisation in die Tat umsetzte. Ihre Entscheidung, in den Untergrund zu gehen, habe er nicht verstehen können: „Man konnte sich an zwei Fingern abzählen, wohin das führte.“ Dass sich Meinhof in ihrer Gefängniszelle erhängte, habe ihn nicht verblüfft. „Unangenehm, aber auch liebenswürdig, eine Frau mit einer melancholischen Grundstimmung“ – so hat der Journalist die Terroristin in Erinnerung behalten. Und: „Sie hat auch viel gesoffen.“

Pastorentochter Gudrun Ensslin, , sei „psychisch die stärkste Person“ der Gruppe gewesen. Meinhof und Ensslin waren Rivalinnen. Als „hyperaktiv und aggressiv“ beschreibt Aust Andreas Baader. Ein Mann mit charmanter Ausstrahlung, gleichzeitig brutal und eitel, mit Ensslin das „Power-Paar“ der RAF.

Wie hätten die RAF-Mitglieder die Gewalt vor sich selbst gerechtfertigt, möchte ein Mann aus dem Publikum wissen. Sie hätten nicht mehr nachgedacht darüber, dass sie Unrecht begingen, antwortet Aust. Und: „Es ist nicht neu, dass Leute einer vermeintlich höheren Sache wegen Schreckliches tun.“ Die RAF sei aus der zerbröckelnden Studentenbewegung entstanden.

Fast sei er selbst zum Mordopfer der RAF geworden, erzählt Aust: Als er die Zwillinge Bettina und Regine, die Töchter Meinhofs, auf eigene Faust zu ihrem Vater zurückbrachte, nachdem die Mädchen von der RAF nach Sizilien verschleppt worden waren. Er sei aber noch rechtzeitig gewarnt worden.

Quelle: RP

 
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