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Erkelenz: Glasverbot an Altweiber

VON ANDREAS SPEEN - zuletzt aktualisiert: 02.12.2011

Erkelenz (RP). Auf dem Erkelenzer Johannismarkt soll Glas an Altweiber 2012 nicht erlaubt sein. Der Sozialausschuss stimmte dem schon zu. Die Bürgerpartei hatte die Stadt gebeten, eine Lösung für das Scherbenproblem zu finden.

Zwischen 8 und 23 Uhr soll an Altweiber 2012 versuchsweise ein Glasverbot auf dem Johannismarkt gelten.  Foto:  Michael Reuter
Zwischen 8 und 23 Uhr soll an Altweiber 2012 versuchsweise ein Glasverbot auf dem Johannismarkt gelten. Foto: Michael Reuter

Jugendliche und junge Erwachsene feiern Altweiber in Erkelenz traditionell vor allem auf dem Johannismarkt. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wogegen sich Stadtverwaltung und Politiker aber wenden, ist der starke Alkoholkonsum und die vielen zerschlagenen Flaschen, deren Scherben nicht mehr oder nur schwer aus den Fugen der Pflastersteine zu bekommen sind.

Der Sozialausschuss hat jetzt beschlossen, wie sich die Situation ändern soll: 2012 wird es – versuchsweise für diesen Tag – ein Glasverbot auf dem Johannismarkt geben.

Die Scherben im Pflaster sind das eine Problem, das andere sind die jungen alkoholisierten Karnevalisten. 2011 seien fast doppelt so viele wie im Jahr davor mit einer Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus gebracht worden, erklärt die Stadtverwaltung. Deshalb hat sich eine Arbeitsgemeinschaft aus Stadtvertretern, Schulen, Polizei und Gesundheitsamt zusammengetan, die Lösungen sucht.

Info

Gesehene Gefahren

Mülltonnen Auf dem Johannismarkt sind zehn Abfalleimer montiert, an Karneval werden zehn weitere große Tonnen aufgestellt.

Nutzen Die Stadt argumentiert, dass in einer Vielzahl der Fälle die mitgebrachten Flaschen "mutwillig" zerschlagen werden.

Gefahren Es entstehen laut Stadt "gefährliche Stolperfallen", der "Rutsch- und Verletzungsfaktor" steige im Laufe des Altweibertages auf dem Johannismarkt. Rettungsdienste hätten "regelmäßig Schwierigkeiten", den Platz zu passieren. Es entstehe "ein regelrechter Scherbenteppich". In den Tagen nach Altweiber bleibe der Platz wegen der Scherben ein Risiko für Rad- und Rollstuhlfahrer.

"Das in Köln praktizierte Glasverbot war zuerst sehr umstritten. Wir aber sind der Auffassung, dass wir diesen Weg einmal gehen sollten", erklärte Dr. Hans-Heiner Gotzen. Der Erste Beigeordnete der Stadt blickte auch zurück, wie es zu dem Vorschlag gekommen ist: "Als das Problem wuchs, haben wir die Kontrollen intensiviert. Im nächsten Schritt haben wir dann versucht, das Problem über den Jugendschutz in den Griff zu bekommen." Erfolge blieben aber aus.

Sehr genau hat sich die Stadt Erkelenz das Glasverbot überlegt, betonte Gotzen. Den Politikern wurde eine zehnseitige Allgemeinverfügung zur Abstimmung vorgelegt, die zeitlich und räumlich begrenzt ist. Gelten soll das Verbot am 16. Februar 2012 von 8 bis 23 Uhr auf dem Johannismarkt mit nördlicher Begrenzung an der Burgstraße, östlicher Grenze an der Brückstraße, südlicher Begrenzung an der Kirchstraße/Schülerstraße und westlicher Grenze an der Gasthausstraße/Zehnthofweg.

Durch die Verfügung hat sich die Stadt, das erklärte Gotzen, auf eine mögliche rechtliche Anfechtung vorbereitet. Sie ließ aus rechtlichen Gründen auch den Wunsch einiger Politiker nicht zu, das Glasverbot auszuweiten. Dazu Gotzen: "Ein Verbot darf sich nur auf eine konkrete Gefahrenlage – wie wir sie in der Vergangenheit auf dem Johannismarkt hatten – beziehen."

An den vier Zugängen zum Johannismarkt sollen die Karnevalisten kontrolliert werden, ob sie Glasflaschen mitführen. Ordnungsamt und Polizei könnten dabei an personelle Grenzen stoßen, weshalb möglicherweise ein Sicherheitsdienst mit eingesetzt werden könnte. Dagegen sprachen sich im Sozialausschuss die Grünen aus und stimmten den Plänen deshalb nicht zu.

"Ein privater Sicherheitsdienst darf im öffentlichen Raum nicht eingreifen", sagte Ausschussvorsitzender Stephan Pütz. Auch Franz Thiel (SPD) wandte ein, dass andere Städte wie Mönchengladbach an Altweiber oder bei Problemspielen der Borussia Glasverbote ohne Wachdienst durchgesetzt bekämen. Gotzen versprach, möglichst ohne Hilfe auszukommen. Stadtrat und Hauptausschuss müssen dem Glasverbot noch zustimmen.

Quelle: RP/rl


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