Heinsberg: Karl D.: Versammlung für die Dorfbewohner
VON STEFAN CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 10.03.2009Heinsberg (RPO). Heinz Franken ist Ortsvorsteher des 1300 Einwohner zählenden Dorfes bei Heinsberg, in dem nun der Sexualstraftäter Karl D. wohnt. Bereits am Donnerstag hatte Franken in einem Brief, der an alle Haushalte verteilt wurde, zur Besonnenheit aufgerufen.
Zugleich kündigte der Ortsvorsteher an, im Rahmen einer Bürgerversammlung die Situation im Dorf zu besprechen. Diese Versammlung ist für den morgigen Mittwoch geplant, die Turnhalle am Schulgebäude ist Treffpunkt für interessierte Einwohner. Allerdings liegt die Betonung in der Tat auf Einwohner, denn gerade den Betroffenen will Franken Gelegenheit geben, sich zu informieren – und in der Turnhalle auch Platz zu finden. Daher bittet er Auswärtige, die Versammlung nicht zu besuchen. Geplant sei, dass nicht nur der Ortsvorsteher, sondern auch Landrat Stephan Pusch und Heinsbergs Bürgermeister Josef Offergeld zu den Bürgern sprechen werden.
Angesprochen auf die Stimmung im Ort, nachdem am Samstag 63 NPD-Anhänger auf dem Marktplatz von der Polizei festgesetzt wurden, sagte Franken, dass die Bevölkerung zunächst in Sorge gewesen sei. Aber nach dem Einsatz der Polizei "fühlten wir uns gut beschützt". Sein Appell, die Situation in Ruhe zu meistern, sei auf spürbare Resonanz gestoßen.
Trotzdem versammelten sich am Sonntagabend rund 150 Demonstranten vor der Polizeiabsperrung, um mit ihrem Protest zu erreichen, dass Karl D. den Ort verlässt. Wie es hieß, waren unter ihnen zahlreiche Auswärtige.
Diese Tendenz hatte Franken bereits am Freitag ausgemacht. An diesem Tag war auch der ehemalige Hückelhovener CDU-Bürgermeister Werner Schmitz mit seiner Frau unter denen, die vor der Polizeiabsperrung protestierten. Demonstrationen seien nicht seine Sache, sagte Schmitz, aber er habe Enkel im Alter der damaligen Opfer, deshalb müsse er einfach mitmachen. Seine Eindrücke: Positiv sei, dass viele junge Leute dort gestanden und sich echte Sorgen gemacht hätten – auch um die Dorfgemeinschaft.
Was ihn aber geärgert habe sei , dass Leute "in meinem Alter lieber mit dem Hintern hinterm warmen Ofen hocken" und keine Politiker vor Ort gewesen seien. Auch Politiker müssten in schwierigen Situationen Flagge zeigen und könnten vor Ort deeskalierend wirken, falls jemand über die Stränge schlägt. Allerdings: Der bessere Ort für eine Demonstration wäre München. Dort müsse gezeigt werden, dass die Bevölkerung mit dem Urteil nicht leben kann. Denn das Urteil und die "bestialische Tat" des Verbrechers seien die Auslöser der Geschehnisse in dem Dorf. Nicht der Landrat, der vollkommen richtig gehandelt habe.
Auch am Montag wurden die täglichen Demonstrationen fortgesetzt.
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