Kreis Heinsberg: Karl D. will in Therapie
VON STEFAN CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 12.03.2009Kreis Heinsberg (RPO). 300 Bewohner füllten die Mehrzweckhalle, um von Landrat Pusch Neues zum Fall des Sexualtäters zu erfahren, der in ihrem Ort lebt. Sie hörten, dass Karl D. eingewilligt hat, sich in einer geschlossenen Anstalt therapieren zu lassen.
Beifall brandete auf, als am Mittwochabend Heinsbergs Bürgermeister Josef Offergeld und Ortsvorsteher Heinz Franken das Podium betraten, und er steigerte sich bei der Begrüßung von Landrat Stephan Pusch. Rund 300 Einwohner des Ortes waren zur Dorfversammlung gekommen, um zu erfahren, wie es weiter geht, nachdem der entlassene Sexualstraftäter Karl D. in ihren Ort gezogen war. Auffallend: Es herrschte eine völlig andere Stimmung als bei den täglichen Demonstrationen im Ort, keine Transparente mit Drohungen, vielmehr gespannte Ruhe, gepaart mit Besorgnis.
Pusch brachte es auf den Punkt: "Hier herrscht eine ganz andere Stimmung als bei dem, was bisher 'rübergekommen ist." Und so soll es auch bleiben, denn die Klientel, die bei den Demos auftritt, die "seid nicht Ihr. Wir müssen denen ganz entschieden sagen, dass wir sie hier nicht haben wollen". Beleidigungen und Drohungen seien nicht hinzunehmen. Auch solle an die Familie des Täters gedacht werden, an den ungeheuren Druck, den sie zu ertragen habe. "Seid besonnen", forderte der Landrat.
Demonstrationen
Puschs Bitte Keine Beleidigungen, keine Drohungen, sich nicht vor den Karren anderer spannen lassen.
Seine Zusage "Wenn auf den Plakaten steht, ,Wir wollen unsere Kinder schützen und keine NPD hier haben', demonstriere ich mit Ihnen zusammen."
Die gute Nachricht: Nach vielen Gesprächen habe sich Karl D. bereit erklärt, eine Therapie in einer geschlossenen Einrichtung anzutreten. Jetzt bemühe man sich darum, schnellsten eine Platz zu finden. Dabei hofft Pusch auf Unterstützung: "Wenn der Staat sagt, ich lasse den raus, dann muss er auch sagen, ich lasse ihn in eine geschlossene Therapie." Es könne zwar sein, dass der Täter spekuliert, dies werfe ein besseres Licht auf ihn, aber es sei eine kurzfristige und praktikable Lösung – obwohl der Karl D. die Therapie jederzeit abbrechen könne. Dann aber werde es sofort wieder rund um die Uhr observiert.
"Wir müssen dafür kämpfen, dass so etwas nie wieder passiert, weder hier, noch in einem anderen Ort", forderte Pusch. Der Protest sei in Berlin angekommen. Jetzt seien Justiz und Gesetzgebung gefordert, denn eine "solche Situation brauchen wir als Bürger nicht zu ertragen". Ganz Deutschland blicke auf den Fall, der nun der Gesetzeslage, die ihn zulasse, ein Ende bereiten soll: "Wenn die Gutachten sagen, dass der Mann mit höchster Wahrscheinlichkeit rückfällig wird, wie kann der Staat ihn dann frei lassen?"
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