Erkelenz: Koffer für ein Jahr in Indien packen
zuletzt aktualisiert: 23.07.2010Erkelenz (RPO). Indien! Nur noch zwei Wochen trennen mich von diesem großen Abenteuer. Am 3. August startet mein Flieger, der mich in einer ganz anderen Welt absetzen wird: in Tiruvuru im Bundesstaat Andra Pradesh. Dort werde ich für ein ganzes Jahr in einem Kinderheim mitarbeiten, das von der Organisation IDEAS aufgebaut wurde und Straßenkindern und Kinderarbeitern eine Unterkunft, Bildung, Verpflegung und Unterstützung bietet. Ich freue mich schon sehr auf meine Zeit dort, weiß aber noch nicht so richtig, was auf mich zukommt.
Mein Koffer steht schon seit einer Woche in meinem Zimmer und vor allem werden wahllos Gegenstände hineingeworfen, die ich eventuell für meine Reise gebrauchen könnte, so dass er jetzt schon fast voll ist. Im Moment widme ich die Mehrzahl meiner Gedanken der Vorbereitung – und dem langsam schmerzhaft werdenden Abschied von Familie, Freunden und allem, was ich zurücklasse. Als ich vor ungefähr zwei Jahren meinen Eltern mitteilte, dass ich nach der Schule ein Freiwilliges Soziales Jahr machen möchte, nahmen sie meine Pläne noch auf die leichte Schulter. Aber jetzt geht es auch für sie "ans Eingemachte", denn ihre Erstgeborene macht nun ernst. Ich habe manchmal das Gefühl, dass nicht ich, sondern meine Eltern ausreisen, so wie sie planen.
Meine Freunde finden mein Vorhaben ganz schön mutig und aufregend, betonen aber, dass "das für sie nichts sei". Genauso mein Freund, der jedoch von Mal zu Mal trauriger wird und mich doch irgendwie für sich behalten und nicht mit den Kindern im Heim teilen will. Obwohl die eine oder andere Träne schon geflossen ist, werden meine Abschiedsgefühle jedoch noch weitgehend von dem hektischen Aktionismus der Reisevorbereitungen und der Vorfreude in Schach gehalten, ein Jahr in Indien zu helfen, mit den Kindern zusammenleben zu können, eine völlig andere Sprache wie Telugu zu lernen und in diese unbekannte Kultur einzutauchen.
Meine Grundschullehrerin verabschiedete uns damals mit dem Geleitwort "Wir werden flügge", das wohl jetzt nach so vielen Jahren Gestalt für mich annimmt.
Sarah Kortenhaus (20) aus Gerderhahn lebt ab August für ein Jahr in Tiruvuru in Südostindien und wird regelmäßig in der Rheinischen Post über ihre Erfahrungen berichten.
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