Erkelenzer Land: Mut zum Dialog gefragt
VON IRIS BARTH - zuletzt aktualisiert: 22.02.2012Erkelenzer Land (RP). Bischof Heinrich Mussinghoff lädt Katholiken im Bistum ein, ihm schriftlich ihre Meinung zu Fragen des Glaubens und der Kirche mitzuteilen. Im Erkelenzer Land stößt das Angebot auf Anerkennung, aber auch auf viel Skepsis.
Die Deutsche Bischofskonferenz hat zum Dialogprozess mit den Gläubigen an der Basis, in Gremien, Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen aufgerufen. Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff lädt dazu für das Bistum Aachen ein. Das Motto: "Dialog. Mit Mut und Meinung Neues wagen." Dialogpartner können Einzelpersonen oder Gemeinschaften und Verbände in den Pfarreien sein.
Etliche Katholiken in der Region reagierten bei einer kleinen Umfrage der RP überrascht und irritiert, wollten nur anonym ihre Meinung sagen und nicht zitiert werden. Ihre Wahrnehmung ist, dass der Bischof bisher bei Pfarrfusionen und Umstrukturierungsentscheidungen eher wenig Dialogbereitschaft mit der Basis gezeigt habe. Das Vertrauen zur Person des Bischofs habe dadurch gelitten, hieß es.
Ein Umdenken ist im Gange
Dialog Plattform
Wie Kontakt ist möglich über ein Rückmeldeformular, e-Mail ac.bischofshaus@bistum-aachen.de, oder ein persönliches Anschreiben an Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff, Ritter-Chorus Straße 7, 52062 Aachen.
Was Themenkatalog ist im Internet unter "Dialog Plattform für das Bistum Aachen" einsehbar. Erste drei Themen: Macht in der Kirche, Beziehungsethik, Umgang mit Versagen und Schuld.
Internet Informationen unter www.dialog-im-bistum-aachen.de.
Andere waren jedoch bereit, offen Stellung zu nehmen. Karl-Heinz Frenken etwa, er ist Mitglied im Kirchenvorstand der fusionierten Pfarre Sankt Marien Wassenberg. Frenken begrüßt das Dialogangebot: "Nur in offenem Gedankenaustausch hat man die Möglichkeit, mehr über verschiedene Standpunkte, Ängste und Sorgen, aber auch etwaige Zwänge zu erfahren. Erst nach Kenntnis dieser Umstände lässt sich vielleicht in Gesprächen eine für alle Seiten tragbare Lösung finden", sagt er. Frenken vertritt die Auffassung, dass das Dialogangebot und auch der gelebte Dialog mit den Gremien zeige, dass ein Umdenken, ein Öffnungsprozess im Gange sei. Aus diesem Grund hofft Frenken, dass sich viele an diesem Dialog beteiligen.
Ein engagierter Katholik aus Erkelenz, der ungenannt bleiben will, sagte: "Durch einen RP-Artikel bin ich auf das Angebot aufmerksam geworden und habe das Dialogangebot des Bischofs bereits genutzt." Wer dieses Angebot nicht aufgreife, vertue die Chance, seine Meinung zu sagen, erklärt er. Sagt aber auch: "Ich bewundere den Mut des Bischofs, denn jetzt, nachdem das Angebot gemacht worden ist, wird er daran gemessen werden, wie er mit den Antworten, die er bekommt, umgeht." Das offene Gesprächsangebot hält er für ein neues Zeichen von Demokratisierung, fügt aber hinzu: "Alle werden sehr genau hinsehen, was sich aus dem begonnenen Dialog entwickelt."
Ferdinand Kehren aus Erkelenz wird sich am Dialog sowohl persönlich als auch in Gremien beteiligen. Es gebe noch viele offene Fragen in der Gemeinschaft der Gemeinden vor Ort. Aber auch die Frage, wie das Bistum mit Laien und Pfarrern umgeht, beschäftige ihn und die Frage: Wie kann man Christentum als Zukunftsperspektive anbieten? Seine Erwartungen sind eher niedrig, kleine Schritte seien schon ein Erfolg. "Nur wenn sich genügend beteiligen, haben wir eine Chance auf Dialog", sagt Kehren.
Scharfer Gegenwind
Joseph Grün, Kirchenvorstand aus Wegberg, ist froh über die Initiative. Ob sich daraus ein echter Dialog ergibt, bleibe abzuwarten. "Dazu gehören zwei", sagt Grün. Bisher sieht er einen mehr hoheitlichen als partnerschaftlichen Umgang miteinander. Dennoch hofft Grün, dass der Bischof verlorenes Vertrauen vor Ort zurückgewinnt. "Allerdings wird ihm erst mal ein scharfer Wind entgegen wehen." Frage des Tages
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