Erkelenz: Orgel nach Belgien verkauft
VON MARIO EMONDS - zuletzt aktualisiert: 17.01.2012Erkelenz (RP). Die Pfarre St. Lambertus Erkelenz hat einen Käufer für ihre marode Oberlinger-Orgel gefunden: die Gemeinde Saint Nicolas in La-Roche-en-Ardenne. Die zahlt dafür 130 000 Euro. Am 12. März beginnt der Abbau des Instruments.
Seit knapp 33 Jahren erklingt die große Oberlinger-Orgel in der Pfarrkirche St. Lambertus. Ihre Tage in Erkelenz sind aber gezählt: Am 12. März wird mit ihrer Demontage begonnen, wird das marode 53-Register-Instrument in der belgischen Kirchengemeinde Saint Nicolas in La-Roche-en-Ardenne eine neue Heimat finden.
Für 130 000 Euro haben die Belgier nach sehr zähen und langwierigen Verhandlungen die Orgel gekauft. Vergangene Woche wurde der Vertrag in Erkelenz unterschrieben, nun liegt er in Belgien, wird diese Woche in Erkelenz zurückerwartet.
Dies alles gab Pfarrer Werner Rombach, der sich gestern mit Pater Paul für vier Wochen in dessen Heimat nach Indien aufgemacht hat, am Sonntag im Hochamt bekannt. Statt einer Predigt ("Das ist für mich nach 18 Jahren Priester eine Premiere") informierte der Leiter von St. Lambertus nach dem Evangelium umfassend über die Hintergründe.
Die Oberlinger-Orgel
10.2.1979 Einweihung.
1999 Generalüberholung.
Okt. 2010 Untersuchung durch drei Orgelfirmen. Es reift die Entscheidung zum Verkauf.
10.1.2012 Unterzeichnung des Verkaufsvertrags in Erkelenz.
12.3.2012 Beginn der Demontage.
"Gravierende Konstruktionsfehler, schlecht ausgewählte Materialien und der unmögliche Aufbau der Register und Pfeifen haben schon vor zwölf Jahren eine Generalüberholung notwendig gemacht." Dabei sei auch der Winddruck erhöht worden, um die Orgel lauter zu machen – mit fatalen Folgen: "Viele Pfeifen wurden dadurch irreparabel zerstört."
"Diese Orgel ist ein Groschengrab"
Folge seien seitdem ständige Reparaturen – noch Heilig Abend am Ende der Christmette habe die Orgel plötzlich gestreikt. "Um ein Haar hätte daher das Hochamt am 2. Weihnachtstag für Orgel und Chor ausfallen müssen." Über 10 000 Euro würden jährlich an Reparaturen für das "Groschengrab" (Rombach) anfallen. "Kantor Knauer ist aufgrund seiner hohen Fachkompetenz und Improvisationsfähigkeit zwar meistens in der Lage, diese Mängel zu kaschieren. Doch auf Dauer ist das einfach ein untragbarer Zustand."
Keine Lösung sei eine erneute Generalüberholung gewesen. "Die Gutachten der drei kontaktierten Orgelbaufirmen kamen unabhängig voneinander zu dem Ergebnis, dass eine Generalüberholung rund 350 000 Euro kosten würde – und wir in zehn Jahren wieder auf dem derzeitigen Stand wären." Außerdem hätte keine der Firmen die Überholung übernommen: "Sie fürchteten alle um ihren guten Ruf."
Schließlich vergab der Kirchenvorstand den Auftrag für eine neue Orgel an die Mönchengladbacher Orgelbaufirma Scholz. Deren Entwurf sieht ein 49-Register-Instrument vor, das seinen Platz auf einer Empore unter dem Turm finden soll (die RP berichtete). Der Auftrag wird freilich erst erteilt, wenn der Orgelbauverein 80 Prozent der veranschlagten gut 1,1 Millionen Euro zusammen hat – also 880 000 Euro.
Auf Nachfrage gab Kantor Stefan Emanuel Knauer den aktuellen Spendenstand mit gut 40 000 Euro an. "Noch in diesem Jahr wollen wir mit dem Projekt Pfeifen-Patenschaften beginnen. Der Prospekt dazu ist in Vorbereitung."
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



