Erkelenz: Post-Rampe bleibt Ärgernis
VON ANKE BACKHAUS - zuletzt aktualisiert: 25.05.2011Erkelenz (RPO). Der neue barrierefreie Zugang zum Erkelenzer Postgebäude sorgt für Ärger. Eltern mit Kinderwagen berichten von Problemen, in das Gebäude zu gelangen. Auch Klaus Labahn vom Arbeitskreis ÖPNV und Verkehr ist enttäuscht.
Eigentlich sollte der neue Lift am Postgebäude die Barrierefreiheit sicherstellen. Menschen mit Rollstuhl oder Rollator, Eltern mit Kinderwagen – für sie und andere, die die Treppe nicht bewältigen können, sollte dieser Lift die Lösung sein. Das frühere Problem mit einer zu steilen Rampe müsste aus der Welt sein.
"Nein", sagt Klaus Labahn, Sprecher des Arbeitskreises ÖPNV und Verkehr, entschieden. Er ist sogar enttäuscht. Seit geraumer Zeit beobachtet er die Situation, Nutzer des Aufzuges sieht er aber so gut wie nicht. "Die Post ist stolz auf den Aufzug. Ich denke, er ist nützlich. Ich vermisse aber eine konkrete Beschreibung der Nutzung. Außerdem scheint bei der Post niemand auf die Klingel ernsthaft zu reagieren", sagt Labahn.
Beschwerden eingegangen
In diese Diskussion steigt auch Michael Kutz, Vorsitzender des Kinderschutzbundes in Erkelenz, ein. Er berichtet von Eltern, die nicht mit dem Aufzug heraufgelassen wurden. Kutz selbst hat es mal ausprobiert, einen Kinderwagen die Treppe herauf zu hieven. Auf RP-Anfrage bestätigt die Stadtverwaltung, dass sich Eltern bereits im Rathaus beschwert haben, anderen dauert es viel zu lange, ehe die Post-Mitarbeiter auf das Klingeln reagieren.
Der Lift funktioniert so: Wer ihn benutzen möchte, muss unten erst mal klingeln und auf einen Mitarbeiter der Post warten, der den Lift mit einem Schlüssel freischaltet. Im Grunde ist es für behinderte Menschen einfach, diese Art von Schlüssel (im Wert von rund 20 Euro) zu erwerben, etwa auch für öffentliche Toiletten. Erforderlich für den Kauf ist ein Behindertenausweis, in dem ein gewisser Status notiert ist.
Den erforderlichen Status konnte Christoph Höppener von der Centra Treuhand- und Anlagengesellschaft, die das Gebäude betreut, nicht genau benennen. Stünden solche Schlüssel auch für die Post zur Verfügung, würde sich das Klingeln erübrigen, und die Postmitarbeiter könnten die Kunden weiter bedienen. Wie Höppener weiter sagt, hat augenscheinlich niemand daran gedacht, diese Schlüssel zu ordern. Das soll nachgeholt werden. Offen ist, wo die Schlüssel zu kaufen sein werden.
Doch wer ist überhaupt berechtigt, einerseits die Schlüssel zu erwerben und andererseits den Aufzug zu nutzen? Höppener hat darauf eine Antwort, die wohl je nach Ermessen ausgelegt werden kann: "Jeder kann den Lift nutzen, der darauf angewiesen ist." Dass auch Eltern mit Kinderwagen auf den Lift angewiesen sind, räumt Höppener ein. In diesem Zusammenhang hat er bereits "eine böse E-Mail einer Mutter bekommen. Diese Personengruppe ist auf den ,Good Will' der Mitarbeiter angewiesen."
Genau das empfindet Bürgermeister Peter Jansen aber als Unding und hat Kontakt zu Michael Kutz vom Kinderschutzbund aufgenommen. Als erste Maßnahme hat Kutz ein Schreiben an die Erkelenzer Post-Mitarbeiter aufgesetzt. "Ich möchte von ihnen zunächst wissen, welche Position sie bei Eltern mit Kinderwagen beziehen", erläutert Kutz. Dazu sagt Klaus Labahn: "Der Lift soll doch generationenübergreifend nutzbar sein."
Die Pressestelle der Post will auf die Kritik reagieren und kündigt in diesen Tagen eine Erklärung an.
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