Erkelenz: Qualität der Rettung sichern
VON MICHAEL HECKERS - zuletzt aktualisiert: 25.08.2010Erkelenz (RPO). Landrat Stephan Pusch sorgt sich um die Qualität des Rettungsdienstes im Kreis Heinsberg. Er rät von einer weiteren Ausschreibung ab. Der Kreis Heinsberg soll den Rettungsdienst künftig selbst organisieren.
Rückblick
Entscheidung Ende 2006 hatte der Kreistag beschlossen, den Rettungsdienst im Kreis Heinsberg nicht ans Deutsche Rote Kreuz (DRK), sondern an die Johanniter und Malteser zu vergeben. Das DRK-Angebot lag um viele Millionen über dem der Konkurrenz.
Laufzeit Die Regelung gilt für fünf Jahre (1. Januar 2007 bis 31. Dezember 2011).
KREIS HEINSBERG Der Rettungsdienst im Kreis Heinsberg steht möglicherweise vor einem Umbruch. Mit Blick auf den Kostendruck sorgt sich Landrat Stephan Pusch um die Qualität des Rettungsdienstes. Das ließ der Landrat bei einem Gespräch mit der Rheinischen Post durchblicken. Pusch wirbt für die Rekommunalisierung des Rettungsdienstes.
Pusch: Neue Gesellschaft gründen
"Wir wollen dem Kreistag eine politische Alternative zum Ausschreibungsverfahren vorstellen", kündigt der Landrat an. Die Kreisverwaltung arbeitet an einer Beschlussvorlage, wonach auf eine weitere Ausschreibung für die Vergabe des Rettungsdienstes ab dem 1. Januar 2012 verzichtet werden soll. Statt dessen schlägt die Verwaltung vor, dass der Kreis Heinsberg eine neue Gesellschaft gründet und darüber den Rettungsdienst selbst regelt.
"Preislich sind wir heute auf einem vernünftigen Niveau, aber ich sehe die Gefahr, dass die Qualität nach unten geht", sagt Pusch. In der Praxis sehe das so aus: Erfahrene Sanitäter würden immer häufiger durch junge Leute ersetzt. Der Grund: Berufsanfänger erhalten ein geringeres Gehalt und sparen ihrem Arbeitgeber Personalkosten. Darunter leidet jedoch die Qualität des Rettungsdienstes, ist Pusch überzeugt. Und: "Wie soll ich die Leute für den Rettungsdienst motivieren, wenn sie wissen, dass sie mit zunehmender Berufserfahrung aus Kostengründen mehr und mehr aufs Abstellgleis geschoben werden?", fragt Pusch.
Der Landrat ist bemüht, keine Missverständnisse aufkommen lassen: "Vor fünf Jahren war es mit Sicherheit die richtige Entscheidung, mit dem Rettungsdienst in die Ausschreibung zu gehen", meint er. Acht Millionen Euro seien so gespart worden. Zwischenzeitlich sei allerdings deutlich geworden, dass es einen unüberwindbaren Konflikt zwischen dem Arbeitsrecht und dem Wettbewerbsrecht gebe. Der Landrat setzt deshalb auf die Idee, dass der Kreis einen Eigenbetrieb gründen und den Rettungsdienst darüber selbst steuern soll. Organisationen wie DRK, Johanniter, Malteser und andere, die sich einen harten Wettbewerb um den Rettungsdienst liefern, sollen künftig unter Federführung des Kreises gleichberechtigt einbezogen werden. Auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter will der Landrat mit ins Boot holen.
Die Refinanzierung sei über den Gebührenhaushalt der Krankenkassen möglich. "Wir wollen den Rettungsdienst streng organisieren, damit kein Wasserkopf aufgebaut wird", sagt Pusch. Die Politik wird sich nach der Sommerpause mit dem Thema beschäftigen. Frage des Tages
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