Erkelenz: Schule in ein Museum verwandelt
VON FIONA ORPIN - zuletzt aktualisiert: 15.04.2008Erkelenz (RPO). „Am liebsten mag ich Kubismus!“ Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen, fragt man Elena (10) nach ihrer liebsten künstlerischen Stilrichtung. Ihre Klassenkameradin Tabea schüttelt den Kopf. „Beim Impressionismus gefallen mir die Motive besser.“
Mit Tanz und Gesang
Die Grundschule Houverath wurde in ein Museum verwandelt. Dort besuchen die beiden Mädchen die vierte Klasse. Die künstlerischen Arbeiten, die die Kinder seit Januar im Kunstunterricht angefertigt hatten, zierten die Klassenräume. Mit bunten Gesangs- und Tanzdarbietungen der Kinder wurde die Ausstellung eröffnet: Durch den kubistischen, den impressionistischen und den abstrakten Raum wandelten Eltern und Freunde hin zu den Ergebnissen der Projektwoche, wo sich die Kinder mit Friedensreich Hundertwasser, M.C. Escher, Andy Warhol, Leonardo da Vinci und Paul Klee auseinandergesetzt hatten. Schulleiterin Hedwig Michalski erläutert, wie es zu dem ungewöhnlichen Projekt kam. „Während des Unterrichts äußerten die Kinder den Wunsch, ins Museum zu fahren, um solche Bilder auch von nahem zu sehen“, erklärt sie. Also dachten wir, wieso holen wir das Museum nicht zu uns.
Die freischaffende Künstlerin Karola Fels, die die Kinder einmal wöchentlich in Malen und Zeichnen unterrichtet, stieß kurz darauf auf den Wettbewerb „Kinder zum Olymp“, der von der Kulturstiftung der Länder ausgeschrieben wird, und meldete die Schule an. „Natürlich wäre es schön, von der Jury im September einen Preis überreicht zu bekommen. Mir ist es wichtig, dass die Kinder Bestärkung in ihrem Tun erfahren“, erläutert Karola Fels. Die Kinder sind die Leiter und Mitarbeiter des Kunstmuseums, zu dem die Grundschule für diesen einen Tag geworden ist. Sie übernehmen selber die Führungen durch die Klassenräume, in denen ihre Gemälde ausgestellt sind. Tabea und Elena berichten den Besuchern der Ausstellung, wann Pablo Picasso, einer der wichtigsten Vertreter des Kubismus, gelebt hat, und was ihm und den anderen Kubisten besonders wichtig war: die Dinge von verschiedenen Seiten zu sehen und das Überflüssige dabei wegzulassen.
„Anderer Blick auf die Welt“
Pflegschaftsvorsitzender Bülent Genç, dessen Kinder die Schule besuchen, schätzt die Förderung seiner Kinder. „Kinder haben einen anderen Blick auf die Welt.“ Hedwig Michalski wollte den Schülern aber auch näher bringen, wie viel Organisation erforderlich ist, um ein solches Museum zu unterhalten. Die Arbeit im Sinne der Kunst ist hart, auch wenn sie sich lohnt. Tabea, Elena und ihre „Kollegen“ wissen davon einiges zu berichten.
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