Erkelenz: Schulpolitik weckt Emotionen
VON ANDREAS SPEEN - zuletzt aktualisiert: 22.04.2010Erkelenz (RPO). Die Gymnasiallehrer befürchten, dass eine rot-grüne Landesregierung – so diese am 9. Mai gewählt wird – eine Schulreform zu ihren Lasten anstoßen könnte. Bei einer Podiumsdiskussion warben SPD und Grüne für ihre Ideen.
Zu einem Abend der Aufforderung, sich vor der Landtagswahl weiter mit den Ideen der Parteien zur künftigen Schulpolitik auseinanderzusetzen, hatte der Philologenverband ins Cusanus-Gymnasium eingeladen. Während SPD und Grüne nach Reformen streben, wollen CDU und FDP am bestehenden Schulsystem festhalten und es an den Stellen weiterentwickeln, wo Probleme oder Potenziale bestehen.
Es wird zu einem "Experiment auf dem Rücken der Kinder" kommen, sagte Dr. Gerd Hachen (CDU) zu den Ideen von Rot-Grün. Den Schulen und Kommunen wird die Chance eröffnet, ihr Wissen in Reformen "von unten" einzubringen, erklärten hingegen Dr. Ruth Seidl (Grüne) und Sören Link (SPD). Die Zuhörer der Diskussion verfolgten die gegensätzlichen Denkansätze mit Kopfnicken, Kopfschütteln, auf jeden Fall aber mit Emotion.
Eingeladen hatte der Philologenverband im Kreis Heinsberg als Vertretung der Gymnasiallehrer, deren Befürchtung es ist, dass bei einer Landesregierung mit SPD und Grünen das Gymnasium nach der Wahl am 9. Mai zugunsten einer Gemeinschaftsschule aufgegeben wird. Die Pläne ihrer Parteien erklärten Seidl und Link. Der Ansatz der Grünen: Das Schulsystem ist reformbedürftig. Dass die Hauptschule an Schülern verliere, sei Beweis genug. Es solle ein flexibles System geben, das die Schulen und Kommunen vor Ort entwickeln können, längeres gemeinsames Lernen nach dem vierten Schuljahr und "ein vernünftiger, qualitativer und gebundener Ganztag" seien wünschenswert.
Der Ansatz der SPD: Schüler sollen über das vierte Schuljahr hinaus gemeinsam in einer Gemeinschaftsschule lernen, in der die bisherigen Schulformen aufgehen. Link erklärte wie Seidl, dass in Zukunft vor Ort entschieden werden solle, welche die bestmögliche Schulform – Gemeinschaftsschule oder getrennte Schulen – ist. Ein weiteres Ziel seien kleinere Klassen, gebührenfreie Bildung vom Kindergarten bis zur Universität und ein "vernünftig ausgestalteter Ganztag".
CDU/FDP halten an Schulen fest
Neben Lehrern waren es Oberstufenschüler, die die politischen Forderungen kommentierten. Der Hinweis eines Schülers an SPD und Grüne war, dass sie ebenso von der Diskussion um die mögliche Einführung einer Einheitsschule verunsichert seien wie Lehrer. Hierbei verhalte es sich ähnlich wie bei der Veränderung der Studienabschlüsse hin zu Bachelor und Master.
Hachen, der für die CDU zusagte, "keine der bestehenden Schulformen infrage zu stellen", erklärte, die Probleme an den Schulen zu kennen, deshalb habe das Land in den vergangenen fünf Jahren an Lösungen gearbeitet, zum Beispiel mehr Lehrer eingestellt: "Wir haben den Unterrichtsausfall noch nicht behoben, aber halbiert. Das System entwickelt sich zum Besseren – den Weg wollen wir unaufgeregt weitergehen." Setzten sich SPD und Grüne durch, sehe er eine Auseinandersetzung aufkommen, "die keinem Schüler hilft". Deutlich sagte auch René Stegemann (FDP): "Wir lehnen die Einheitsschule ab."
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