Erkelenz: St. Ludwig: Sanierung nicht in Sicht
VON NATALIE URBIG - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010Erkelenz (RPO). Der Streit um den Erhalt des Klosters St. Ludwig bei Dalheim geht in die nächste Runde: Die Maharishi- Organisation kündigt eine Klage gegen den niederländischen Staat an. Das wurde am Rande einer Kinovorführung über die Meditationslehre der Maharishis in Erkelenz bekannt.
Filmemacher David Sieveking kam persönlich nach Erkelenz. Nach der Vorführung seines Films "David wants to fly" – einer Dokumentation über die Anhänger der Transzendentalen Meditation (TM) und die Lehre des verstorbenen Maharishi Mahesh Yogi – nahmen der Regisseur und Mitglieder der Bürgerinitiative für den Erhalt von St. Ludwig auch zu Fragen zum Streit über die Zukunft des monumentalen ehemaligen Franziskanerklosters in Vlodrop Stellung.
Kritische Auseinandersetzung
Sievekings Film entlarvt die Maharishi-Organisation als gewieftes Geschäftsmodell. Unvoreingenommen besuchte er Meditationskurse, unterzog sich den Lehren des Maharishis und übte sich im yogischen Fliegen. Doch immer mehr Widersprüche ließen Sieveking zweifeln: Vieles drehte sich um Geld – eine Million soll das sogenannte "Radja Training" kosten. "Kann man sich die Erleuchtung wirklich kaufen?" Zunehmend kritischer hinterfragte der junge Regisseur die Organisation, sprach mit Aussteigern und besuchte Bauwerke der TM, oft leerstehende Ruinen.
Rückblick
1984 Die Maharishi-Stiftung kauft das Kloster vom niederländischen Staat und richtet dort eine sogenannte Universität (Meru) ein.
2001 Die Maharishis beginnen mit dem Abriss des Gebäudes, werden aber per Verfügung gestoppt.
2008 Tod von Mahesh Yogi
2009 Die Meru-Stiftung wird aufgefordert, die beschädigten Gebäudeteile wieder herzurichten.
Auf den Spuren der Maharishi-Organisation war die Kamera Sievekings ständiger Begleiter. "David wants to fly", so der Titel seines Werks, ist keine Fiktion, sondern eine Dokumentation. Bis zum letzten Tag bangte Sieveking, ob sein Film auf der Berlinale ausgestrahlt werden darf, denn zu diesem Zeitpunkt drohte sein einstiges Vorbild David Lynch mit einer Klage und versuchte eine Veröffentlichung zu verhindern. Ohne Erfolg – über 30 Mal wurde der Film bereits gespielt und war nun auch auf Einladung des Kreisverbands Bündnis 90/Die Grünen im Gloria Filmpalast Erkelenz zu sehen. "Der Film leistet gute Aufklärungsarbeit", sagt Ruth Seidl, Landtagsabgeordnete der Grünen. "Es geht um transzendentale Meditation, die auch im Kloster St. Ludwig praktiziert wird."
Im Streit um den Erhalt des monumentalen Klosters, das unter Denkmalschutz steht, kündigt sich der nächste Rechtsstreit an, wie Mitglieder der Bürgerinitiative zum Erhalt von St. Ludwig berichteten. "Die Organisation droht, auch dann nicht zu verkaufen, wenn sie das Gelände verlassen", sagte Louis op de Kamp von der Bürgerinitiative. Im Oktober ziehe die Maharishi-Organisation erneut vor Gericht, um die Abrissgenehmigung einzuklagen. "Wir glauben, dass sie auch diesen Prozess verlieren wird", sagte op de Kamp.
Die Wassenberger Landtagsabgeordnete Ruth Seidl (Grüne) interessierte, wie es nach dem Tod von Maharishi Mahesh Yogi mit der Organisation weitergeht. Sieveking sieht den TM-Nachwuchs in Europa schwinden. Welche Auswirkungen das jedoch auf das Kloster St. Ludwig als Hauptsitz der Maharishi-Stiftung hat, wisse er nicht. "Ich kann mir aber vorstellen, dass ihnen diese Stätte besonders viel bedeutet, da Maharishi dort gestorben ist und sie zur Pilgerstätte für viele TM Anhänger geworden ist."
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