Erkelenz: Weihnachten mit Hartz IV
VON MARIO EMONDS - zuletzt aktualisiert: 24.12.2009Erkelenz (RPO). Für Ulrike und Peter Schmitz* und ihre zwei Kinder wird es ein eher trauriges Fest werden. Im Februar müssen sie aus ihrem Eigenheim ausziehen. Die Hoffnung auf bessere Zeiten haben sie aber nicht aufgegeben.
Leben mit Hartz IV
Durchleuchtet "Wir hätten nicht gedacht, dass man von den Behörden so total durchleuchtet wird, wenn man Hartz-IV-Empfänger wird", sagen Ulrike und Peter Schmitz ein wenig verbittert. "Immerhin haben wir zusammen zuvor 30 Jahre in die Sozialkassen eingezahlt."
3,25 Euro Das Ehepaar hat mal genau nachgerechnet: "Für Essen stehen uns pro Tag und Person exakt 3,25 Euro zur Verfügung."
"Oh du fröhliche" – dieses bekannte Weihnachtslied wird Ulrike (36) und Peter Schmitz (35) heute Abend und an den weiteren Weihnachtstagen nicht leicht über die Lippen kommen.
Statt dessen wird es für sie und ihre Kinder Hannah (7) und Klaus (6) ein eher trauriges Fest werden – umgeben von gepackten Umzugskartons: Im Februar steht der erzwungene Auszug aus dem Eigenheim und der Einzug in eine Mietwohnung an. Diese wird von der Arge finanziert – seit Oktober 2008 lebt die Familie von Hartz IV.
"Irgendwo da unten liegt unser künstlicher Tannenbaum. Den stellen wir in diesem Jahr nicht auf", sagt Peter Schmitz mit einem bitteren Lächeln und zeigt auf einen sich im Wohnzimmer fast bis zur Decke stapelnden Kartonberg. Weihnachten wird die Familie daher bei seinen Schwiegereltern feiern.
"Die haben uns eingeladen", erzählt der gelernte Tischler dankbar. Er schäme sich dafür eigentlich, bekennt er: "Doch ich habe das Gefühl, sie tun das wirklich gerne."
Geschenke für die Kinder wird es jedoch nicht nur von den Großeltern geben. "Die Kinder haben sich von uns Playmobil und Lego gewünscht – und das werden sie auch bekommen", sagt der Familienvater. Um die Wünsche zu erfüllen, hat er kürzlich sein Gesellenstück verkauft – einen Schrank. Aus dem gleichen Grund hatte er im vergangenen Jahr vor Weihnachten seine Tischlerwerkstatt samt Hobelbank zu Geld gemacht. "Auf Geschenke sollen unsere Kinder schließlich nicht verzichten." Auf eine weihnachtliche Dekoration in ihrem Zuhause dagegen schon.
"Wir haben unseren Kindern erklärt, warum wir in diesem Jahr nicht schmücken. Sie haben es verstanden", erzählt Ulrike Schmitz. Auch ihr fällt der Verzicht schwer. "Wohnung dekorieren, Plätzchen backen, in den eigenen vier Wänden feiern – das alles würde ich schon sehr gerne", sagt sie.
Warm ums Herz wurde ihr dafür am vergangenen Samstag. Da wurden bei der Weihnachtsaktion der Erkelenzer Tafel auch ihre Kinder beschert, erhielten bunt verpackte Päckchen. "Das Team um Manfred Fröhlich leistet wirklich prima Arbeit", lobt Ulrike Scgmitz. Seit Oktober 2008, als die Familie zu Hartz-IV-Empfängern wurde, kommt sie regelmäßig zur Tafel im Bauxhof – am Samstag war erstmals ihr Mann mit. "Das hat mich schon Überwindung gekostet", gibt er zu.
Die Hoffnung auf bessere Zeiten hat das Ehepaar trotz aller Rückschläge nicht aufgegeben. "2010 wird für uns nicht nur wegen des Umzugs ein kompletter Neuanfang", erklären er und sie unisono. Das wollen sie mit viel Mut angehen und wünschen sich: "Wir hoffen sehr, den Neuanfang ohne Privatinsolvenz hinzubekommen." Dann könnten sie kommendes Jahr Weihnachten sicherlich weit leichter "Oh du fröhliche" anstimmen – wirklich fröhlich. (* Namen von der Redaktion geändert)
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