Erkelenz: Wie Erkelenz nach Berlin kam
VON WILLI SPICHARTZ - zuletzt aktualisiert: 29.11.2006Erkelenz (RPO). Überall ist Erkelenz – auch in Berlin. Der Erkelenzdamm liegt im Berliner Kiez-Bezirk Kreuzberg, er verläuft als Hochwasser-Sicherungselement entlang des Luisenstädtischen Kanals.
Mit dem rheinischen Kleinstädtchen Erkelenz hat der Kreuzberger Damm allerdings nichts zu schaffen. Mit dem Rheinland schon, denn der Namensgeber Anton Erkelenz war gebürtig in Neuss, am 10. Oktober 1878, zu Tode gekommen am 24. April 1945 in Berlin-Zehlendorf, er war Politiker und Gewerkschaftsführer. Wie die Pressestelle des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit mitteilte, trägt der Straßenzug seinen Namen seit 1947.
Anton Erkelenz absolvierte nach dem Besuch der Volksschule in Neuss im Betrieb seines Vaters eine Lehre zum Schlosser und Dreher. Er engagierte sich in der liberalen Gewerkvereinsbewegung und war seit 1901 Herausgeber der „Westdeutschen Arbeiter-Post“ und Arbeitersekretär.
Von Sowjets erstochen
Im Ersten Weltkrieg war er drei Jahre Frontsoldat. Erkelenz gründete 1918 den „Gewerkschaftsring deutscher Angestellten-, Arbeiter- und Beamtenverbände“ und war bis zum Verbot 1933 Vorsitzender der liberalen Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine. Er gehörte dem Vertrauenskreis der „Abraham-Lincoln-Stiftung“ an. Von 1923 an war er als Nachfolger Wilhelm Heiles Herausgeber der von Friedrich Naumann gegründeten Zeitschrift „Die Hilfe“. Anton Erkelenz wurde 1945 kurz vor Kriegsende von Sowjets, offenbar Offizieren des Geheimdienstes NKWD, vor seinem Haus in Berlin-Zehlendorf mit einem Bajonett erstochen. Ein Grund dafür ist bis heute nicht bekannt, teilt der Berliner Senat mit.
1918 beteiligte sich Erkelenz an der Gründung der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), deren Vorsitzender er bis 1929 auch war. 1930 verließ er die DDP aus Protest gegen die Fusion mit dem Jungdeutschen Orden zur Staatspartei und trat zur SPD über. Anfang der 1930er Jahre war er scharfer Kritiker der Deflationspolitik von Reichskanzler Heinrich Brüning, dem er vorwarf, mit dieser Politik den Nationalsozialisten Wähler zuzutreiben. 1931 schrieb er: „Wer Hitler bekämpfen will, muss den Deflationsprozess, diese gewaltige Zerstörung von Arbeit, Werten und Kapital, beenden.“ Erkelenz gehörte 1919/20 der Weimarer Nationalversammlung an. Anschließend war er bis 1930 Reichstagsabgeordneter.
Bleibt die abschließende Frage „Rührte der Familienname Erkelenz des bekannten Anton doch von dem von Neuss gut 30 Kilometer entfernten Städtchen Erkelenz?“
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