Jüchen: Biogasanlage spaltet Gemüter
VON SABINE WOTZLAW - zuletzt aktualisiert: 21.01.2010Jüchen (RPO). Gestank und Krach befürchten viele Hochneukircher, wenn die NVV für rund zehn Millionen Euro am Ortsrand eine Biogasanlage baut. Bei einem Informationsabend machten sie ihrem Ärger Luft. Landwirte bewerteten den Bau der Anlage dagegen positiv. Im Herbst 2011 könnte sie fertig sein.
Paul Rutten von der NVV hatte es nicht leicht: Das Gelände zwischen der A 46 und K 19 sei der ideale Standort für eine Biogasanlage, die die NVV für rund zehn Millionen zwischen Wanlo und Hochneukirch bauen möchte, beteuerte der Prokurist des Unternehmens. Doch viele der rund 150 Hochneukircher sahen das bei einem Informationsabend im Foyer der Hauptschule anders. Sie fürchten eine Lärm- und Geruchsbelästigung durch die Anlage, die das aus Mais und Rindergülle entstehende Biogas vor Ort in Erdgas umwandelt.
"Wir müssen schon genug Gestank durch die Kompostieranlage ertragen", sagte eine Anwohnerin verärgert. Die Geruchsbelästigung durch die Biogasanlage sei minimal. "Alles was stinkt, ist abgedeckt", entgegnete Rutten. Gerade die Nähe zur Kompostieranlage mache das Gelände bei Wanlo zum idealen Standort für die Biogasanlage. Gegebenenfalls sei eine Kooperation mit der Kompostieranlage möglich.
Zeitplan
Einleitung Bebauungsplan im Dezember 2009. Beginn der Prospektion im Januar 2010. Einleitung des Genehmigungsverfahrens im Juni 2010.
Genehmigung des Bebauungsplans im Februar 2011. Baugenehmigung im März 2011.
Baubeginn soll im April 2011 sein. Fertigstellung im Oktober 2011.
Auch Lärm gehe von der Anlage kaum aus, versicherte Rutten. "Die Anlage wird den Autobahnlärm kaum übertreffen", sagte der Prokurist. Die größten Sorgen machten sich die Hochneukircher aber um die Zunahme des Verkehrs: "Das erhöhte Verkehrsaufkommen ist zeitlich begrenzt", erläuterte Verkehrsplaner Axel Springsfeld. Lediglich durch die Mais-Anlieferungen, die Abtransporte der Gärsubstrate und durch die Gülle-Abfuhr sei in bestimmten Zeiträumen mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen zu rechnen.
Das beschränke sich auf die Zeiträume zwischen Februar bis April und September bis Oktober. "Sattelzüge werden in erster Linie die Autobahn benutzen", ergänzte Springsfeld. Im ungünstigsten Fall würde während der Erntezeit – an rund fünf Tagen im Jahr – alle fünf Minuten ein Schlepper an Hochneukirch vorbeifahren. Das sei nicht so viel. "Was tut die Gemeinde, um den Bau der Anlage zu verhindern?", fragte ein Hochneukircher den Bürgermeister.
Harald Zillikens stellte klar: "Die Gemeinde Jüchen hat keine gesetzlich fundierte Grundlage, um den Bau der Biogasanlage zu verhindern. Allerdings werde man das Verkehrsgutachten auf Herz und Nieren prüfen."Durch den Bau der Biogasanlage machen sie mir mein liebenswertes Hochneukirch kaputt", warf Thomas Dederichs von den Grünen ein.
"Die Anlage ist für mich das i-Tüpfelchen", sagte Dederichs weiter. Es gebe bessere Standorte für die Anlage, wie zum Beispiel die Grubenrandstraße. SPD-Fraktionschef Dr. Holger Tesmann befürwortete den Bau der Biogasanlage: "Wir dürfen nicht vergessen, dass die Gemeinde Jüchen auch eine Verantwortung gegenüber den Landwirten hat." Allerdings bezeichnete er die geplante Kooperation zwischen Biogasanlage und Kompostieranlage als zu wenig durchdacht.
Die Landwirte bewerten das Projekt, für das jährlich rund 30 000 Tonnen Mais benötigt werden, positiv: "Wichtig ist, dass wir nicht nur als Rohstofflieferant gebraucht werden, sondern auch an der Wertschöpfung beteiligt sind", sagte Kreislandwirt Wolfgang Wappenschmidt.
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