Jüchen: Ein Leben für Gott – krass erzählt vom Autor der Volxbibel
VON THOMAS GRULKE - zuletzt aktualisiert: 27.01.2009Jüchen (RPO). Das Eis war schnell gebrochen. "Gibt es Punks in Kelzenberg?", fragte Martin Dreyer zu Beginn seines Besuchs in Kelzenberg. Die rund 200 Gäste im Gemeindezentrum der Evangelischen Kirche antworteten mit einem Lachen. Dreyer war ein Punk, bevor er freikirchlicher Theologe, Diplom-Pädagoge und Bestseller-Autor wurde. Nun hatten ihn die "Jungen Erwachsenen" der Gemeinde eingeladen, an ihrem "Offenen Abend" aus seinem Leben zu erzählen.
Und Martin Dreyer hatte genug zu erzählen. Aus den geplanten 45 Minuten wurden mehr als 75. "Ich habe noch nie so offen geredet. Aber es war hier eine Atmosphäre wie zuhause", sagte der 43-Jährige. Zuvor hatte er von seiner Punk- und Drogenzeit erzählt, wie er zum Christ wurde ("Ich habe Gott meinen ganzen Dreck, aber auch all meine Begabung gegeben"), die alternative, christliche Jugendbewegung "Jesus-Freaks" gründete und wie er schließlich die "Volxbibel" veröffentlichte. In dem Buch wird das Neue Testament in der gewöhnlich wenig religiösen Sprache der Jugend übersetzt.
So sind in dieser Version der Bibel Wörter wie "krass" oder Redewendungen wie "feiern, bis der Arzt kommt" selbstverständlich. "Alle jungen Menschen stellen sich die Frage nach Gott. Doch es gibt zu wenige, die ihnen eine Antwort geben können. Die Jugend braucht Bilder, die sie versteht", erklärte Dreyer den Sinn der Volxbibel, an deren Verbesserung jeder im Internet mitarbeiten kann. In Kelzenberg wird die Bibel seit der Veröffentlichung der ersten Auflage 2005 – bislang wurden über 150 000 Stück verkauft – in Gottesdiensten und im Konfirmandenunterricht benutzt.
"Ich habe Theologie studiert, einige Dinge aber erst nach dem Lesen der Volxbibel begriffen", sagte Pfarrerin Gabi Beuscher. Auch ihr Mann und Kollege Bodo Beuscher ist von der leicht verständlichen Version angetan. "Natürlich gibt es Stellen, bei denen ich schlucken muss. Aber mir gefallen auch einige Übersetzungen bei Luther nicht. Es kommt nicht auf die Ausdrücke an, sondern dass man etwas damit anfangen kann", so der Pfarrer.
Die Kelzenberger Gemeinde konnte etwas mit der Volxbibel anfangen. Und es waren beileibe nicht nur junge Leute, die sich mit Dreyers Werk beschäftigt hatten. "Ich bräuchte die Volxbibel nicht, aber die Kirche muss zu den Menschen kommen. Und wenn etwas provoziert, regt es zum Nachdenken an", so Jennifer Clemens (55). Den 17-jährigen Frederik Zahn hatte dagegen Dreyers Lebensgeschichte noch mehr imponiert als das Buch: "Seine ganze Art war sehr authentisch."
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