Jüchen: Neuer Stand fürs Schloss
VON DÉSIRÉE LINDE - zuletzt aktualisiert: 26.09.2008Jüchen (RPO). Derzeit werden das Torhaus und die Gärtnerei von Schloss Dyck saniert. Die Verwaltung der Stiftung zieht im Frühjahr von der Reitbahn ins Torhaus. In der Reitbahn soll ein Hotel entstehen. Investitionssumme: 21,5 Millionen Euro.
Es war das Fundament, das wackelte – und mit ihm die gesamte Torburg von Schloss Dyck. Es tauchten Risse im Mauerwerk auf, die linke Seite des Gebäudes sackte ab. „Bei Altbauten erlebt man oft ein paar Überraschungen“, sagt Bernd Simon vom Rhein-Kreis Neuss, der die Bauarbeiten betreut. Alt ist die Torburg ohne Frage: Sie entstand im 17. Jahrhundert nach dem 30-jährigen Krieg, wie auch nach und nach alle anderen Gebäude der Schlossanlage.
Gestützt wird die Torburg seit jeher durch Pfähle aus Nadelholz. Die litten im Lauf der Jahre und im Wasser des Schlossgrabens. Simon und sein Team sind gerade dabei, diese unschöne Überraschung in den Griff zu bekommen. „Die neuen Pfähle kommen 15 Meter tief ins Fundament“, sagt Franz Steves, neben Simon der zweite Architekt vor Ort. Dabei sehen die schmalen Konstruktionen eher zierlich aus, kaum auffällig ragen die neuen Stahlfüße der Torburg seitlich der Brücke aus dem Boden – in Zukunft sollen sie das Gebäude stützen. Dann kann auch die rote Stahlklammer abmontiert werden, die die abgesackte Seite derzeit hält.
Zahlen
Kosten Sanierung der gesamten Schlossanlage 21.5 Millionen von 2000 bis 2010
Schon fertig Orangerie, Teehaus, Hochschloss (West- und Südflügel), Nord- und Ostseite Stallhof, Kasse und Shops am Eingang
Das kommt noch Zweite Hälfte Hauptschloss, Westseite Stallhof
Größe Anlage 80 Hektar, Geschossfläche 15 500 Quadratmeter
Finanzierung 80 Prozent Städtebauförderung (Land), 20 Prozent Kreis plus Fördermittel
Stahlfüße fürs Torhaus
Ein Gerüst bedeckt derzeit die Fassade, innen im Torhaus sieht’s nach richtig Arbeit aus. „Die Räume werden gerade entkernt“, erklärt Steves die Haufen von Holzabfällen auf dem Boden. Die Torburg wird zum neuen Sitz der Stiftungsverwaltung, die derzeit noch in der Reitbahn untergebracht ist. Im Frühjahr ziehen dann gut ein Dutzend Mitarbeiter um.
Nur rund 100 Meter weiter wird an der alten Schreinerei gearbeitet. Dort fallen derzeit besonders die hellen neuen Dachbalken auf. Die alten waren marode. Überhaupt soll das 120 Quadratmeter-Gebäude nicht wie zu seinen Anfängen für die Verarbeitung des fürstlichen Holzes genutzt werden, sondern künftig zum Betriebshof für die Gartenabteilung werden. Mit Arbeits- und Sozialräumen für das bis zu zehn Mann starke Gärtnerteam. „Besonders gut ist, dass wir hier dann auch die Außenflächen nutzen können, um etwa Materialien zu lagern“, sagt Spanjer.
Zum Jahreswechsel soll die Schreinerei fertig werden. Bis zum Frühjahr dauern die Arbeiten an der Torburg. Auch für die frei werdende Reitbahn, in der die Verwaltung untergebracht ist, gibt es Neues: Langfristig soll dort ein Hotel entstehen. Das will die Stiftung aber nicht mit öffentlichen Geldern finanzieren, sondern sich einen Investor ins Boot holen. Derzeit laufen Gespräche mit mehreren Interessenten. Je nach deren Vorstellungen könnten auch Teile des Wirtschaftshofes zum Hotel gehören. Stiftungsgeschäftsführer Jens Spanjer rechnet mit Ergebnissen im kommenden Frühjahr.
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