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Jüchen: Seelenruhe am Schromberg

VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 14.04.2009

Jüchen (RPO). Seit mehr als 40 Jahren gab es kein Begräbnis mehr auf dem jüdischen Friedhof zwischen Wickrathberg und Hochneukirch. Die Grabstätte ist ein Ort der absoluten Stille. Nicht einmal das Autobahnkreuz stört den Frieden.

„Bei der Grabpflege winkt Hilfe”, kündigen die beiden SPD-Ratsmitglieder Elke Patz und Georg Salomon an.  Foto: RPO
„Bei der Grabpflege winkt Hilfe”, kündigen die beiden SPD-Ratsmitglieder Elke Patz und Georg Salomon an. Foto: RPO

Den Weg findet Salomon Ladig ohne Probleme. Obwohl er vor vielen Jahren das einzige Mal hier gewesen ist. Und obwohl der jüdische Friedhof versteckt liegt. Irgendwo zwischen Wickrathberg und Hochneukirch, wenn man einen Feldweg, der vom Hochneukircher Weg abzweigt, die 200 Meter bis zum Ende hinunter fährt.

Umrankt von Mauern, Sträuchern und Bäumen liegt der Friedhof "Am Schromberg" in aller Seelenruhe. Nicht einmal das nahe Autobahnkreuz Wanlo stört den Frieden.

"Vor ein paar Jahren sah es hier noch viel mystischer aus", sagt Ladig. Da hat der 69-Jährige zum ersten Mal von der Ruhestätte gehört. Mit dem Fahrrad ist er, dessen Vater im Konzentrationslager (KZ) starb und dessen Mutter gelähmt überlebte, rausgefahren, um Spuren jüdischen Lebens rund um seine Heimat zu finden.

Info

Jüdische Friedhöfe

In Gladbach Von einst elf gibt es heute noch sieben. Beisetzungen gibt es allerdings nur noch an der Hügel- und an der Eifelstraße.

In Jüchen Neben zahlreichen jüdischen Gräbern auf kirchlichen Friedhöfen gibt es außer dem Friedhof am Schromberg noch einen an der Alleestraße und einen am Nikolauskloster.

Korschenbroich An der Donatusstraße finden Besucher einen alten jüdischen Friedhof.

Hier sah er hinter einem rostigen, grünen Tor 20 Grabsteine, verteilt auf einem Hügel, oben ein mit Efeu überwachsenes Mäuerchen mit Stacheldraht, unten große Laubbäume, die sowohl über den ausgetrockneten Bach, als auch über die kleine Mauer ragten.

Offiziell gehört der Friedhof zur Gemeinde Jüchen. "Bei der Umsiedlung des Regioparks hat der Rat zu Beginn des Jahrzehnts Wert darauf gelegt, dass dieses Gebiet weiter zu Jüchen gehört", sagt Oswald Duda, Technischer Dezernent und unter anderem mit den jüdischen Friedhöfen betraut.

Von denen gibt es in Mönchengladbach sieben, in Jüchen sind es drei. "Da es ein sehr alter Friedhof ist, ist er für uns etwas Besonderes", sagt Duda. Wie alt genau der Friedhof, der seit 1996 unter Denkmalschutz steht, tatsächlich ist, lässt sich kaum ermitteln. Eingeweiht wurde er zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1882. Wer kein Hebräisch kann, ist bei der Identifizierung der Personen im Nachteil. Erst die jüngeren Grabsteine haben deutsche Schriftzüge. Das letzte Begräbnis fand 1969 statt. In die Zeit des Nationalsozialismus gehört nur ein Grabstein. Darauf ist von einer 70-jährigen Frau zu lesen, die das Ghetto Theresienstadt nicht überlebte. Sie starb dort im Dezember 1942.

Der von den Nationalsozialisten geschändete Friedhof wurde mit Hilfe der Alliierten nach Kriegsende restauriert. Heute kümmert sich die Gemeinde alle drei Wochen darum, dass die Grabsteine, die wie auf jüdischen Friedhöfen üblich nach Osten gerichtet sind, gepflegt bleiben. 1,01 Euro pro Quadratmeter stehen der Verwaltung dafür von der Landesregierung zur Verfügung.

Für Salomon Ladig eine gute Investition. "Auch wenn der Friedhof nicht mehr so mystisch ist", sagt er, "ist er doch ein Ort der Ruhe."

Quelle: RP

 
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