Jüchen: Unfall mit der Muttergottes
VON LESLIE BROOK UND URSULA WOLF - zuletzt aktualisiert: 03.12.2008Jüchen (RPO). Ein Schock für die Kirchgänger in der Kapelle von Schloss Dyck: Eine rund 30 Kilogramm schwere Madonnenstatue fiel von ihrem Podest und verletzte Heinrich Post (79) am Kopf. Die Kapelle wird jetzt überprüft.
Ein lauter Knall ließ Pater Andreas Petith mitten im Schlusssegen in der kleinen Kapelle von Schloss Dyck innehalten. Als sich der Pater des Nikolausklosters zur versammelten Gemeinde umdrehte, sah er den Kirchgänger Heinrich Post (79) blutüberströmt am Boden liegen. Eine schwere Madonnenstatue aus Massivholz hatte ihn am Kopf getroffen.
„Ausweichen konnte ich nicht“
Von einem hängenden Kapitell war die 1,15 Meter große und rund 30 Kilogramm schwere Holzfigur herabgefallen. Ein groß gewachsener Gottesdienstbesucher war beim Aufstehen gegen den Madonnen-Sockel gestoßen. „Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht. Ich habe die Statue nicht kommen sehen. Mein Blick war auf den Altar gerichtet. Ausweichen konnte ich nicht mehr“, erzählt Heinrich Post. Der Kleinenbroicher geht normalerweise zur Messe ins Nikolauskloster. Die Schlosskapelle besucht er immer am ersten Advent und zur Gedenkmesse. „Meine Frau ist vor zwei Jahren gestorben“, sagt Post traurig.
Kapelle und Statue
Der Bau Einer der ältesten Teile von Schloss Dyck, Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden
Öffnungszeiten Die Kapelle ist nur sonntags für die Messen geöffnet, Pater Andreas liest die Messen; angemeldete Führungen, selten finden dort Trauungen statt
Die Statue Mitte des 17. Jahrhunderts entstanden, geht zurück auf Grupello-Schule, Bildhauer Gabriel de Grupello, kostbarste Figur in der Schlosskapelle
Der 79-Jährige war zusammen mit seinem siebenjährigen Enkel in der Messe. „Ich bin nur froh, dass es nicht den Kleinen getroffen hat, das hätte schlimm ausgehen können.“ Heinrich Post wurde mit dem Rettungswagen ins Grevenbroicher Krankenhaus gefahren. Seine Blessuren: Eine Kopfwunde, ein verstauchter Nacken und eine schmerzende Schulter. „Aber es geht mir schon wieder viel besser. Als die Madonna von oben kam, hat mein Schutzengel die Hand drunter gehalten“, meinte er gestern. In einer Kapelle hätte er am wenigsten mit einem Unfall gerechnet. „Aber jetzt ist man nicht mal mehr in der Kirche sicher“, sagt Post und lacht.
Die ganze Gemeinde war geschockt über den „Unfall mit der Muttergottes“; Kinder und Frauen hätten geweint, berichtet Pater Andreas: „Es hat furchtbar ausgesehen.“ Der Pater befürchtete eine Gehirnerschütterung. Das hat sich nicht bewahrheitet. „Gott sei gelobt. Dem Herrn geht es wieder gut“, freut sich Pater Andreas.
Die Stiftung Schloss Dyck ist verantwortlich für die Schlosskapelle. „Der Sockel hängt nicht seit hunderten von Jahren dort“, erklärt der Geschäftsführer Jens Spanjer. Vielmehr sei die Schlosskapelle 2002 nach einer langwierigen Restaurierung wiedereröffnet worden. Damals sei auch das hängende Podest der Statue von Fachleuten in der Wand neu verankert und von der Bauleitung abgenommen worden, so Spanjer.Die Versicherung wurde eingeschaltet. „Die Kapelle soll weiter öffentlich genutzt werden“, kündigte Spanjer gestern an. „Wir werden auch die anderen Gegenstände, wie Kronleuchter oder Altar, einer Kontrolle unterziehen.“
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