Jüchen: Wanlo steht wegen Biogasanlage Kopf
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 07.05.2010Jüchen (RPO). Mönchengladbachs FDP-Ratsherr Ralph Baus ist Vorsitzender des Umweltausschusses des Stadtrates. Mit Mitgliedern dieses Gremiums besuchte er jetzt die Biogasanlage in Wassenberg. "Toll. Ich kenne keinen Grund, warum wir es nicht so machen sollen", begeistert er sich. Diese Aussage sorgt in Wanlo, wo die NVV eine Biogasanlage bauen will, für Empörung. Der Stadtteil in Hochneukirchs Nachbarschaft steht Kopf.
500 Unterschriften gesammelt
"Alles, was andere Stadtteile nicht haben wollen, wird hier bei uns abgeladen", schimpft Alfred Brücher. Er ist Sprecher einer Bürgerinitiative, die eine Biogasanlage auf Wanloer Boden verhindern will. Mehr als 500 Unterschriften hat sie gegen den Standort gesammelt. Und sie lässt nicht locker. "Wir machen jetzt Aktionen in Hochneukirch, Wickrathberg und Beckrath. So lassen wir nicht mehr mit uns umgehen."
Viele Wanloer sind im Prinzip nicht gegen Biogas. Wohl aber, dass die Anlage in ihrem Ort gebaut wird. "Es gibt mehr Lärm, mehr Verkehr und Geruchsbelästigungen. Die Straßen, auf denen die Fahrzeuge, die Mais anliefern und Gülle entsorgen, sind teilweise nicht breit genug. Und sie haben einen schlechten Untergrund, so dass sie die schweren Lastwagen nicht verkraften", sagt Brücher. Diesen Argumenten folgt Umweltausschuss-Chef Baus nicht: "Ich kann den Protest der Leute nicht wirklich verstehen. Die Belastung ist nur acht acht Tagen im Jahr. Wer keine Atomkraft und keine Braunkohle-Vergasung will, muss in erneuerbare Energie investieren. Das wollen wir."
Oder besser: Die NVV will dies. Fast zehn Millionen Euro sind für dieses Projekt veranschlagt. Herbst 2011 soll sie fertig sein und dann 3,1 Millionen Kubikmeter Biomethan aus Mais und Rindergülle produzieren. Noch vor Ort wird das Biogas in Erdgas umgewandelt. Mit der erzeugten Energie könnten rund 1500 Durchschnittshaushalte versorgt werden. Die NVV sichert zu, alle Grenzwerte einzuhalten und die Geruchsbelästigung gering zu halten. Landwirte hoffen auf eine zusätzliche Einnahmequelle.
Denn es werden 30 000 Tonnen Mais jährlich benötigt. Außerdem bekommen sie aus den Rückständen einen hochwertigen Dünger. Politiker Baus gewinnt der Anlage einen weiteren positiven Effekt ab: "Sie besteht aus zwei Teilen. Eine will mit Rohstoffen experimentieren. Vielleicht kann man Bio-Müll nutzen."
"Das hören wir zum ersten Mal"
Das bringt die Wanloer erst recht auf die Palme. Brücher: "Wir hören das erste Mal von dieser Größe." Die Wanloer leiden unter dem Tagebau Garzweiler II. Sie klagen über den Segelflugplatz, der viel Verkehr in den Ort holt. Sie schimpfen über die Kompostieranlage, die mitunter stinkt. Und sie klagen über einen Windpark mit zehn mehr als 100 Meter hohen Rädern, die Lärm erzeugen.
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