Stadtporträt: Eine Stadt als Geschenk: Jüchen
VON SARAH DICKMANN - zuletzt aktualisiert: 16.08.2006 - 12:40Jüchen (RPO). Knirschender Kies trägt die Füße beim ersten vorsichtigen Blick durch dichtes Blätterwerk. Ist es schon zu sehen? Ein winziges Stückchen noch, dann zeigt es sich dem Besucher in seiner ganzen Pracht: Schloss Dyck.
Ruhig, beinahe erhaben liegt es da, umgeben von einem See und einem wunderschönen Park. Lockt in jedem Jahr unzählige Gäste an und bietet auch den Jüchenern selbst ein beliebtes Ausflugsziel.
Das Wasserschloss aus dem 17. Jahrhundert bildet eine traumhafte Kulisse für Konzerte, Ausstellungen, mittelalterliche Spektakel und unvergessliche Hochzeitsfeiern. Kein Wunder, zählt das Gebäude doch zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern im Rheinland. Seit drei Jahren krönt Spitzenkoch Walter Leufen dieses Ambiente 2002 ein Schauplatz der europäischen Gartenschau Euroga mit seinem exquisiten Restaurant "Blaikie". Wer nach einem Besuch im Schloss den Schildern in Richtung Nikolauskloster folgt, der hat es nicht weit bis zum nächsten herrlichen Ausflugsziel. Gleich busweise reisen die Gäste von nah und fern an, lassen sich von den Patres die historischen Gemäuer samt gepflegter Außenanlage zeigen, genießen bei Kaffee und Kuchen die Gastfreundschaft der Mönche und einen Hauch von Geschichte. Diese verrät, dass Jüchen einst ein Geschenk war.
Ein Geschenk der fränkischen Adligen Hiedilda, die dem Kloster Prüm in der Eifel einen hübschen Gutshof, die "villa iochunda", samt 36 Höfen drumherum übergab. 866 war das. Seit dieser Zeit ist Jüchen mächtig gewachsen: Heute leben 22 500 Menschen in dem Ort, der 1975 zur selbstständigen Gemeinde wurde und dessen Ortsteile Garzweiler, Priesterath, Otzenrath, Spenrath und Holz der Braunkohle-Tagebau in den vergangenen Jahren kräftig verschoben hat. Nicht nur die Umsiedlung lässt die Bewohner der einzelnen Orte zusammenwachsen. Überall sind durch eine breite Vereinslandschaft und gute Nachbarschaft Menschen anzutreffen, die sich gemeinsam engagieren, sich verstehen und füreinander da sind.
Dass das Großstadt-Viereck Mönchengladbach-Köln-Aachen-Düsseldorf trotz der Einbettung in Felder und Wiesen durch die gute Autobahn-Anbindung rasch zu erreichen ist, wissen nicht nur die Mitarbeiter des Warenverteilzentrums 3 M zu schätzen. Post its und über 20 000 weitere Produkte finden von Jüchen aus den Weg in Büros und Haushalte in ganz Europa. Jüchens Bewohnern gefällt neben dem Autobahnnetz vor allem die Infrastruktur: Der beschauliche Ortskern mit verwinkelten Gassen und dem hübschen Haus Katz ist umgeben von Ortsteilen mit vielen Kindergärten, Spielplätzen, Grund- und weiterführenden Schulen, präsentiert sich zudem mit Senioren- und Kulturangeboten. Jüchen zieht vor allem viele junge Familien an, und möchte dies auch weiterhin tun: Der Wunsch der Gemeinde, auf Stadtgröße anzuwachsen, wird immer konkreter.
Fakten
Fläche (in km2) 71,5
Einwohnerzahl 22.560
Zusammensetzung Stadt- / Gemeinderat 46 Sitze, CDU (20), SPD (11), FDP (8), FWG (3), Grüne (3), Die Linke (1)
(Ober-)Bürgermeister/in Bürgermeister Harald Zilikens (CDU) Partnerstädte Leers / Frankreich
NN Der Römer Jucundus, der in Jüchen eine Villa besaß, könnte der Gemeinde seinen Namen gegeben haben.
11. Jhd. Schon im 11. Jahrhundert werden die Herren von Dyck in der Geschichtsschreibung erwähnt. Das Schloss ist ihr Stammsitz.
Später geht Schloss Dyck in den Besitz der Herren von Reifferscheidt über, die zugleich Grafen von Salm sind.
1975 Im Rahmen der kommunalen Neugliederung wurde aus den selbstständigen Gemeinden Bedburdyck, Garzweiler, Hochneukirch und Jüchen die Gemeinde Jüchen gebildet.
wichtigste Unternehmen 3M Europäisches Verteilzentrum (Büroartikel, Verpackung), Gerresheim (Autozentrum)



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