Grefrath: 1000 Polizisten suchen nach Mirco
VON JÜRGEN STOCK - zuletzt aktualisiert: 07.09.2010 - 12:04Grefrath (RPO). Am Dienstag wird die Suche nach dem vermissten Mirco mit bis zu tausend Polizisten fortgesetzt, unter anderem im südlichen Kreis Kleve. Hundertschaften durchkämmten auch am Montag das Gebiet nördlich von Grefrath auf der Suche nach dem seit Freitag verschwundenen Zehnjährigen. Ohne Ergebnis. Ein Verbrechen wird immer wahrscheinlicher.
Polizeikommissarin Alexandra Kusenberg (38) studiert auf dem Parkplatz des Grefrather Eissportzentrums den großen Lageplan, auf dem ihr Einsatzleiter mit Textmarker Linien und Kreise eingezeichnet hat. Die Linien stehen für die Spur, die die Polizeihunde am Tag zuvor verfolgt haben.
Die Kreise für die Flächen, die die Beamten bis zum Abend auf der Suche nach dem seit Freitag verschwundenen Mirco S. durchsuchen wollen. Am Sonntag haben die Spürhunde Witterung in der Nähe der Niers aufgenommen, die mögliche Spur des Zehnjährigen jedoch drei Kilometer nördlich von Grefrath wieder verloren.
Mit dem Fahrrad zur Skater-Anlage
Dort starten die Beamten einen neuen Anlauf, doch bis zum Abend bleibt die Suche ohne Erfolg. "Wir hoffen natürlich, dass wir Mirco finden werden", sagt die Düsseldorfer Polizistin. "Deshalb haben wir uns auch heute alle wieder zum Einsatz gemeldet, obwohl wir eigentlich frei hätten." Aber die junge Polizistin verschweigt auch nicht die Angst ihrer Kollegen, dass einer von ihnen möglicherweise auf Mircos Leiche stößt.
Mit jeder Stunde, die der Junge nicht gefunden wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er Opfer eines Verbrechens wurde. Zum letzten Mal war Mirco am Freitagabend nach 21 Uhr im knapp fünf Kilometer entfernten Grefrath-Oedt gesehen worden, wo am Wochenende ein Schützenfest stattfand. Mirco war mit einem Freund auf der Oedter Skater-Anlage, wo ihn ein Anruf seiner Mutter erreichte, dass er nach Hause kommen solle.
Tatsächlich sahen ihn Jugendliche in Oedt kurz darauf auf seinem unbeleuchteten grünen Gelände-Fahrrad Richtung Heimweg radeln. Doch er kam nicht zu Hause an. Sein Fahrrad wurde auf der Verbindungsstraße zwischen Grefrath und Oedt in einem Feld gefunden – etwa zehn Meter von der Straße und weniger als einen Kilometer vom Haus seiner Eltern entfernt.
Mutter war eingeschlafen
Erst am folgenden Vormittag erstatteten die Eltern gegen 10.40 Uhr Vermisstenanzeige. Dem Vernehmen nach soll die Mutter über das Warten auf ihren Sohn eingeschlafen und erst am nächsten Morgen aufgewacht sein – und das fehlende Kind bemerkt haben.
Grefrather, die die Eheleute näher kennen, erzählen nur Gutes über die sechsköpfige Familie mit zwei Jungen und zwei Mädchen im Alter von neun, zehn, zwölf und 13 Jahren. "Das sind sehr nette Leute, haben immer gut auf ihre Kinder acht gegeben", berichtet die Inhaberin des Grefrather Backstübchens, deren Tochter in die gleiche Klasse wie eine der Schwestern von Mirco geht. Dem Jugendamt des Kreises Viersen war die strenggläubige Familie, die der freikirchlichen Christusgemeinde in Krefeld angehört, ebenfalls nur positiv aufgefallen. Die Behörde hatte bei ihr bis Juni ein Pflegekind untergebracht.
Trotzdem melden sich in Grefrath auch andere Stimmen: "Wie kann man um die Uhrzeit einen Zehnjährigen alleine mit dem Fahrrad herumfahren lassen? Und das in Oedt, wo die Forensik mit all den Sexualtätern nur wenige Kilometer entfernt ist", fragt Angelika Wittorf (31). Sie hat einen neunjährigen Jungen. Er ist blond, ebenso wie Mirco. Sie hat Angst. "Wir sind gestern Abend in einem dunklen Kombi mit unserem Sohn nach Holland gefahren. Da wird überhaupt nicht kontrolliert. In dem Wagen hätte auch Mirco sitzen können."
Ein Anwohner hatte einen dunklen Kombi kurz nach 21 Uhr an der Stelle rückwärts in die Feldzufahrt einbiegen gesehen, an der später Mircos Fahrrad gefunden wurde. "Auch aufgrund anderer Hinweise", sagt Polizeisprecher Willy Theveßen, "glauben wir, dass diese Beobachtung tatrelevant ist."
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