Kempen: Ab in die Schwitzhütten
VON SILVIA RUF-STANLEY - zuletzt aktualisiert: 31.01.2007Kempen (RPO). Mal genial, mal nicht wirklich lustig: Die beiden Kabarettisten Florian Schröder und Volkmar Staub waren zu Gast im St. Huberter Forum. Auf dem Programm stand ein Jahresrückblick.
Vorschau
Die nächste Veranstaltung der Reihe Kabarett und Comedy ist am 5. und 6. März jeweils 20 Uhr im St. Huberter Forum. Michael Ehnert erzählt dann aus seinem Leben.
Das Programm verspricht eine Mischung aus „Dramatischem Kabarett, epischer Comedy, autobiographischen Theater und hochvergnüglicher Lebensbeichte“.
Karten im Kulturforum Franziskanerkloster, Burgstraße in Kempen.
Einen teils zwiespältigen kabarettistischen Jahresrückblick gab das Duo Staub und Schröder am Montag- und Dienstagabend im St. Huberter Forum. Zwiespältig, weil sie natürlich den kabarettistischen Finger in manche Wunde deutscher Politik und Geschichte im Jahr 2006 legten. Zwiespältig aber auch, was die Qualität der Beiträge betrifft. Eindeutig war in diesem Programm die Kluft zwischen den Höhen genialer Wortspielereien und den Tiefen langatmiger Szenen. Florian Schröder ist an Lebensjahren deutlich jünger als sein Partner Volkmar Staub, was beide zu einem köstlichen Schlagabtausch veranlasste, der darin gipfelte, dass sie sich gegenseitig als Vater und Sohn titulierten. Ein richtiger Spaß, der die Vorliebe der beiden für improvisierte absurde Szenen zeigte.
Schröder bewies sich im Programm vor allem als genialer Stimmenimitator. Er kann sie alle, Angela Merkel ebenso wie Alfred Biolek. Mit wahrer Lust schneidet er Grimassen, ahmt mit wenig Mimik und Gestik die Personen nach. Besonderes Lieblingsobjekt der beiden war der Verlierer des Jahres, der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber. Abgesehen von böszüngiger Imitation deckt Schröder auch noch auf, was der Bayer denn wirklich ist: „Stoibär, Strebär, Gelabär“, so die Entdeckung des Kabarettisten. Und selbst vor der Karikatur seiner Kabarettkollegen wie Richard Rogler, Jochen Busse, Matthias Richling und Otfried Fischer schreckt der junge Mann nicht zurück. Und ist dabei so treffend, dass ihm seine Kollegen gar nicht böse sein können.
Volkmar Staub mimt den Part des mehr philosophischen, des erfahrenen Kritikers. Absoluter Höhepunkt seine Rede als Winnetou, der seinen roten Freunden „aus der Apache helfen“ will, dabei die Schwächen der rot-schwarzen Koalition aufs Korn nimmt und den roten Brüdern rät: „Zieht Euch zurück in den Schwitzhütten der Opposition!“ Die Erklärung für Gesundheitsfonds ist ganz einfach: „Man kocht alles Mögliche zusammen und reduziert das dann.“ Und dank Staub kennt man nun auch das Tagebuch des Bären, der im letzten Jahr nicht nur durch Bayern, sondern auch tagelang durch die Presse geisterte. Wer konnte schon ahnen, dass hier ein wirklicher „Bäruilla“ unterwegs war, ein geistiger Großneffe von Che Guevara?
Einiges im Programm hätte allerdings gerne gekürzt werden können. Ab und zu waren die beiden Kabarettisten halt doch ein wenig zu selbstverliebt in ihre Späße oder schlicht auch einfach nicht gerade lustig. So blieb nach der Pause ein Teil der Stuhlreihen im ohnehin nicht ausverkauften Forum leer. Schade, denn der zweite Teil war um Klassen besser als der erste. „In der Pause entsteht der zweite Teil des Programms“, kalauerten die beiden zu Beginn. Hatten sie sich bei dieser Betrachtung vielleicht an der Reaktion des Publikums orientiert?
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