Kempen: Abgehängt
zuletzt aktualisiert: 20.02.2007Kempen (RPO). Mit vollen Händen und so großem Elan, dass die Kappenfedern wippten, warfen Bürgermeister Karl Hensel und sein Vize Karl-Heinz Hermans die Kamelle von ihrem Wagen. Sie schmissen und schmissen – und merkten gar nicht, dass ihnen ihr Gefolge abhanden kam: Als sie von der Burg- in die Orsaystraße einbogen, herrschte hinter ihnen gähnende Leere: Ihr Gefolge hatte sie schnöde im Stich gelassen und den Anschluss verloren. Die Verwaltungsspitze mit Volker Rübo und Co. vergnügte sich lieber allein und unbeobachtet in ihrem „himmlischen Kempen“.
Wenige Einsätze
Beim Karnevalszug selbst lief alles glatt, eingreifen musste die Polizei lediglich bei zwei Ereignissen am Rande. Nachmittags wurden die Beamten zur Zugabschlussparty in die Köhlerhalle gerufen, weil sich dort eine Schlägerei abspielte. Zudem kam es auf dem Parkplatz der Halle am Schmeddersweg zu einem Verkehrsunfall mit Sachschaden in Höhe von 400 Euro.
Die Feuerwehr hatte keine Einsätze. Das Deutsche Rote Kreuz kümmerte sich um den Transport mehrerer alkoholisierter Jugendlicher. „Es war sehr ruhig und weniger zu tun als in der Vergangenheit“, hieß es einhellig.
Jecker Ruhrpott
(ude) Aus einer karnevalistisch eher weniger bewegten Region kam eine schmissige Kapelle: Das Musikkorps Blau Weiß Bochum-Weitmar e.V. 1956 war aus dem Ruhrgebiet angereist und lieferte stimmungsvolle Klänge.
Zwergenaufstand
(ude) Die Tönisberger Zwerge alias Feuerwehr und Trommlercorps waren nicht fies davor, beim Kempener Zug mitzufahren. Sie machten mit Martinshorn auf den Bau der kleinsten Umgehung der Welt hinter ihrem Haus Baaken aufmerksam – und demonstrierten Lokalpatriotismus auf ihrem Ortsschild: „Tönisberg statt Kempen“.
Bulldogs
(ude) Den letzten Rest gaben die schottischen Highlander dem Klima: Ihr uralter, knatternder Lanz Bulldog geizte nicht mit schwarzen Auspuffwolken. Allerdings hatte er auch heftig zu ziehen – hinten dran hing die Burg mit den schweren Kempener Jungs. Die zeigten überraschend Grazie, als der Zug stockte und Gelegenheit für ein Tänzchen auf dem Asphalt bot.
Eine kam durch
(ude) Trotz Sperrungen schon am Außenring Kempen, trotz Gittern und Durchfahrverboten – eine kam durch. Eine Autofahrerin verirrte sich auf den Moorenring, kam dann an der Thomasstraße nicht weiter, weil da der Narrentreck vorbeizog und auch nicht zurück, weil die Spitze des Zuges bereits am Donkring war und dort die Kreuzung blockierte. Der Autofahrerin blieb nichts anderes übrig, als vor dem Eingang der Post zu parken und sich eine Stunde in Geduld zu fassen.
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