Stadt Kempen: Auch Poseidon fand es spitze
VON TOBIAS NEUMANN - zuletzt aktualisiert: 22.02.2009 - 15:00Stadt Kempen (RPO). 3100 Narren feierten dicht gedrängt und bester Laune eine Nacht lang in der Köhlerhalle Karneval. "Alle Narren unter einem Hut" war wieder die Devise. Die besten Kostüme wurden prämiert.
Superman ist in die Jahre gekommen. Sein Haupt ziert eine Glatze, nicht etwa volles Haar. Die Muskeln auf dem stahlblauen Brustpanzer sind unecht, dahinter verbirgt sich ein ganz normaler Typ. Der heißt Sven, ist zarte 30 Jahre alt und kommt aus Vorst. Seine Freundin Anna (24) begleitet ihn als rosa Cowgirl und zusammen haben sie jede Menge Spaß: "Die Fete ist super!", finden sie.
"Fete" ist für den größten Kostümball am Niederrhein vielleicht doch etwas untertrieben. 3100 Narren tummeln sich in diesem Jahr in der Köhlerhalle, die der Kempener Karnevalsverein (KKV) liebevoll geschmückt hatte. "Nachher ist alles rappelvoll hier", verspricht KKV-Präsident Heinz Börsch nach der ersten Stunde und soll damit Recht behalten. Die Jecken jedenfalls nutzen die Gunst der Stunde und toben sich schon einmal ausgiebig auf der Tanzfläche aus – denn noch ist Platz dafür.
Prämierung
Einzelkostüme: Kathrin Hoeps landete als "Küken & Ei" auf dem ersten Platz, gefolgt von "Glühwürmchen" Marianne Tophoven und der "arktischen Jungfrau" Judith Auer.
Kleingruppen: "Waldemar & Waltraud" mit Markus Ginders und Melanie Neeven auf Platz Eins, Platz zwei für "Rotkäppchen & Wolf (Werner Eckert, Holger Jansen), auf Platz drei Petra Lingen-Heyner mit "Herzenslust".
Großgruppen: "Meerbesbriesen" (Gold), "Mauerblümchen" (Silber) und "Bonbons" (Bronze). Einen Sonderpreis gab es für die Supergruppe "Süße Versuchung" um Anja Thissen.
Verantwortlich für fetzige Partykracher entpuppt sich "Albatross", eine Partyband aus Bremen, als sehr guter Einkauf. Nach drei Jahren "High Energy" setzen die Macher diesmal auf nordische Töne und treffen damit genau den Nerv des Publikums. Die sechs Musiker plus Sängerin liefern nicht nur eine tolle Show, sondern rocken die Hütte in bester Entertainer-Manier. Das findet selbst der heilige Poseidon spitze. Daniel und Torsten sind dabei ohne Dreizack unterwegs ("zu lästig!") und kommen dank ihrer Begleiterinnen Sabine und Vanessa in einen außergewöhnlichen Augenschmaus: Die Mädels gehen als grünblaue und rosarote Meerjungfrauen, Stoffschwanz inklusive.
Eher spartanisch bekleidet erscheinen die Freunde Jan, Normen und Marvin zum Ball. Sie gehen als Spartaner und verraten gerne das Geheimnis dieses tollen Kostüms: Muskelanzug und falscher Vollbart haben sie im Internet bestellt, ihre Papp-Schilder bekamen sie mühevoll mit einem Brotmesser in die runde Form. Für Stulpen und Armschoner war eine Mutter verantwortlich. "Wir gingen schon als Rambo und als Michael Jackson, uns fällt immer was ein", beschreiben sie ihren Hang zur Maskerade.
Piroschka kam aus Budapest
Dr. Ingo gibt erst einmal eine Bestellung auf: "Zwei Pils und vier Alster, bitte!" Schwester Marion lacht, und der Akzent von "Piroschka aus Budapest" klingt täuschend echt. Erst, als Al Capone ("Nenn ihn Al Bundy") die Waffe zieht und flüssigen Nachschub fordert, wird es ernst. Da haben es Silvana und Haikoko schon einfacher. Sie bezirzen edle Rundengeber mit sexy Augenaufschlag – die eine als 50er-Jahre-Girl, die andere als japanische Geisha.
Mitten im Trubel natürlich auch das Kempener Noch-Prinzenpaar Theo I und Karin I (Balters), die mit Abordnungen aller karnevalistischen Vereine im Gefolge eingezogen sind. Erst um vier Uhr morgens gingen die letzten Nachtschwärmer nach Hause. . .
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