Kempen: Auflehnung gegen Aachen
VON SILVIA RUF-STANLEY - zuletzt aktualisiert: 20.03.2008Kempen (RPO). Gläubige an der Pfarre St. Josef gehen gegen ihren Bischof auf die Barrikaden. Sie befürchten großen Schaden für ihr Gemeindeleben, wenn die verordnete Fusion mit den beiden anderen Kempener Pfarren kommt.
Es war ein ungewollter Zufall, dass ausgerechnet am Tag des Patroziniums, am Namenstag des Heiligen Josef, der Pfarrgemeinderat der St. Josefs-Pfarre in Kamperlings zum Pressegespräch einlud. Es ging um die geplanten Protestaktionen der Gemeinde gegen die vom Bischof geplante Fusion der drei Kempener Pfarren St. Mariä Geburt, Christ-König und St. Josef. Auf dessen Kirchendach am Eibenweg hängt bereits ein Protestplakat der Jugendlichen aus der Gemeinde, vor der Kirche steht schon das Schild „Bald zu verkaufen?“. Im Eingang des Pfarrzentrums legen Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff sowie die früheren Pfarrer Heiner Schmitz und Manfred van Holtum – heute als Leiter der Pastoral und des Generalvikariats in Aachen tätig – symbolisch die „Säge am Schiff, das sich Gemeinde St. Josef nennt“ an.
Der Protest in Kamperlings ist laut und kreativ. „Zurückhaltung war noch nie unsere Stärke“, sagt Peter Holtermann, der in der Pfarre ehrenamtlich als Gottesdienstleiter tätig ist. Am Ostermontag planen die Kamperlingser einen Protest in Aachen. Nach dem Pontifikalamt für den neuen Dompropst wollen sie mit einer Demonstration und Plakaten auf die Not der Gemeinde aufmerksam machen. Das alles in der Hoffnung, mit Bischof und Generalvikar ins Gespräch zu kommen.
Demonstration
Wo? Treffpunkt für die Demonstration in Aachen ist am Ostermontag um 10.45 Uhr auf dem Platz vor dem Domhof.
Wer? 70 feste Anmeldungen zur Teilnahme liegen schon vor, jeder Interessierte kann dazu stoßen. Den gewünschten Kontakt zu Bischof und Bistumsleitung wird es allerdings nicht geben.
Was? Kurz nach Ende der Pressekonferenz kam die Mitteilung aus Aachen, dass der Domhof selbst für Demonstrationen tabu ist. Der Auszug der Festgemeinde wird wegen der (ordnungsgemäß angemeldeten) Demonstration durch den Kreuzgang , also fernab der Kempener Demonstranten, erfolgen.
„Wenn es hier einmal keine Messen mehr gibt, bricht der Boden unter den Füßen weg“, warnt Holtermann. Maria Birmes, stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende und Dr. Ina Germes-Dohmen bestätigen das. Sie alle befürchten, dass das starke ehrenamtliche Engagement in St. Josef bei einer Fusion mit den anderen Kempener Gemeinden beeinträchtigt wird. Rudolf H. Müller, Vorsitzender des Kirchbau- und Fördervereins, fügt bitter hinzu: „Wie weltfremd muss jemand sein, zu glauben, dass das Engagement bleibt, wenn die Pfarre nicht mehr besteht?“
„Eine Haushaltskonsolidierung durch die Hintertür“ befürchtet Maria Birmes angesichts sinkender Gelder aus Aachen bei einer Fusion. Und Dr. Ina Germes-Dohmen bemängelt den „Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche, der nicht wieder gut zu machen ist“. Denn die Fusion kam für alle Beteiligten überraschend: Als die Entscheidung im Priesterrat getroffen wurde, waren die entsprechenden Briefe an die Gemeinden schon geschrieben. „Serienbriefe, noch nicht einmal auf die spezielle Situation unserer Gemeinde zugeschnitten“, sagt die Pfarrgemeinderatsvorsitzende bitter. Enttäuschung und Verbitterung herrscht in der Gemeinde, berichtet sie. Vielfach haben sich Katholiken brieflich an Bischof und Generalvikar gewandt. Gerade von Manfred van Holtum fühlen sich viele persönlich enttäuscht. Schließlich war er während seiner Zeit als Pfarrer an St. Josef treibender Motor nicht nur des Kirchenneubaus, sondern auch der Eigenständigkeit der Gemeinde.
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