Kempen: „Spickmich“: Schulen gelassen
VON HEINER DECKERS - zuletzt aktualisiert: 09.11.2007Kempen (RPO). Auf der umstrittenen Internetseite „spickmich.de“ beurteilen Schüler ihre Lehrer. Die Noten sind allerdings kaum fachlich begründet. An den Kempener Schulen herrscht jedoch Gelassenheit.
Antrag abgewiesen
Die Klage einer Lehrerin aus Neukirchen-Vluyn hatte vor dem Landgericht in Köln keinen Erfolg. Das Gericht wies den Antrag ab. Nun zog sie vor das Kölner Oberlandesgericht – fest steht wohl, dass das Oberlandesgericht das Urteil des Landgerichts nicht aufheben wird. Das Urteil soll Ende November gesprochen werden.
In Schülerkreisen ist die Internetseite „spickmich.de“ höchst beliebt, Lehrer hingegen betrachten sie eher kritisch. Unter dem Schutz der Anonymität dreht es sich nämlich längst nicht nur um die fachliche Qualifikation der Pädagogen. In eher unterrichtsfernen Kategorien geht es unter anderem darum, wie cool und sexy die Lehrer sind.
Für Edmund Kaum, Direktor der Kempener Gymnasiums Thomaeum, ist die Internetseite „eine generell traurige Angelegenheit“. Es selber habe „spickmich.de“ noch nicht besucht, wisse aber, dass Kollegen dort verzeichnet sind: „Allerdings nicht mit brisanten Inhalten“. Wer gibt eine solche Rückmeldung ab, fragt sich Kaum: „Warum sucht der Schreiber nicht das direkte Gespräch, wenn es ein Problem gibt? Es ist doch besser, von Person zu Person zu reden als hintenrum und anonym.“ Im Thomaeum sei es inzwischen zur Gewohnheit geworden, dass Lehrer und Klassen beziehungsweise Kurse sich regelmäßig austauschen, Probleme ansprechen und möglichst aus der Welt schaffen. Das sei deutlich effektiver als der Weg im Internet: Die dortige Anonymität rege zu unqualifizierten Äußerungen an, was auch ein Zeichen für ein Erziehungsdefizit sei – im Elternhaus oder in der Schule.
Mit offenem Visier
Kein großes Thema ist „spickmich“ im Kempener Luise-von-Duesberg-Gymnasium. „Zwei, drei Kollegen stehen drin, da ist allerdings alles im grünen Bereich“, sagt Schulleiter Dr. Rainer Helfenbein. Wie sein Kollege Kaum sieht er die Anonymität als Grund dafür, „Dinge zu äußern, die man sonst nicht sagt“. Besser sei es, mit offenen Visier seine sachliche Kritik zu äußern, am besten in der Schule selber. Generell hat Helfenbein kein großes Problem mit dem Internetforum, gibt aber zu bedenken, dass Eltern, die dort einmal herumstöbern, einen falschen Eindruck erhalten: „Da kommt vieles nicht richtig rüber, und Eltern werden zunehmend sensibler, wenn es um Lehreräußerungen geht.“
Uwe Hötter, Leiter der Kempener Erich Kästner Realschule schaut ab und zu bei „spickmich“ rein, ein Thema an der Schule ist es aber nicht. Bei einem Kollegen gebe es ein Höchstzahl von 13 Wertungen, und die wahrscheinlich aus einer Klasse. „Ich denke, dass nur wenige unserer Schüler sich da betätigen“, meint Hötter. Sollte ein Kollege unfair an den Pranger gestellt werden, werde er eingreifen. Für solche Fälle habe die Landesregierung auch Rechtsschutz zugesagt. Prinzipiell hält Hötter es für bedenklich, Lehrer in einer solchen Art und Weise zu bewerten: „Das hat keinen fachlichen oder professionellen Hintergrund.“ Eine Kritik an Lehrern sei möglich und auch wünschenswert, aber in direktem Kontakt und nicht im anonymen Internet.
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