Kempen: Bei Notruf: Einsatz ohne Irrtum
VON DÉSIRÉE LINDE - zuletzt aktualisiert: 18.10.2008Kempen (RPO). Die Kreisfeuerwehr hat ihre PC-Software modernisiert. Damit ist sofort ersichtlich, ob ein Notruf aus dem Festnetz oder von einem Handy kommt. Damit sollen Straßenverwechslungen ausgeschlossen werden. Kosten: 2500 Euro.
Ein Notruf geht bei der Feuerwehr ein. Per Handy. Der Feuerwehrmann nimmt ihn auf: Brand an der Süchtelner Straße. Vor ihm auf dem Bildschirm leuchtet allerdings das Ortsnetz „Viersen“ auf. Eine Woche zuvor hatte er selbst einen Einsatz dort, kannte die Straße, kannte das Haus.
„Er hatte praktisch schon im Kopf, wo die Drehleiter stehen muss“, sagt Michael Oyen, Leiter der Kreisleitstelle. Wenige Minuten später stehen die Einsatzkollegen des Löschzugs Süchteln an besagtem Haus an der Süchtelner Straße in Viersen. Dort brannte es aber nicht. Das Unglück ereignete sich nämlich im Januar dieses Jahres in Vorst.
Zahlen
Leitstelle Dort sitzen tagsüber fünf Feuerwehrleute, die die Notrufe, entgegennehmen. Nachts sind es drei.
Anrufe Etwa 124.000 mal wird im Kreis im Jahr die Nummer 112 gewählt, es werden aber auch mitunter Notrufe bei Überlastung von Sendemasten nach Viersen weitergeleitet, die etwa in Köln abgesetzt werden.
Auch dort gibt es eine Süchtelner Straße. Das Problem: „Handyanrufe gingen bei uns automatisch im Viersener Kanal ein“, erklärt Oyen. Anrufe wurden – so heißt es in der Fachsprache – auf die Kennung der Stadt Viersen „geroutet“.
Eine Frau starb in dem Haus in Vorst. Allerdings hätten die wertvollen Minuten, die der Irrtum die Feuerwehr kostete, nicht helfen können: Wie sich später herausstellte, war die 65-Jährige bereits vor dem Brandausbruch eines natürlichen Todes gestorben.
Das Risiko ninimieren
Dennoch will die Feuerwehr das Risiko solcher möglicherweise folgenschweren Irrtümer ab sofort so weit wie möglich verringern. Deshalb hat sie nun ihre Computer-Software modernisiert. „Dieser Vorfall war für uns der Anlass, etwas zu ändern“, sagt Oyen.
Vorher war das Problem nicht aufgetreten, also auch nicht bekannt. Ab sofort haben Notrufe aus allen Handynetzen (auch etwa aus den Niederlanden) ihren eigenen Kanal. Jetzt leuchtet vor den Brandbekämpfern, die in der Leitstelle die Notrufe annehmen, nicht mehr „Stadt Viersen“ sondern „112 Handy“, wenn ein Notruf per Mobiltelefon eingeht.
Für den Feuerwehrmann am anderen Ende der Leitung ist dann sofort klar: Er muss genau nachfragen, wo sich der Anrufer befindet, um Verwechslungen von gleichnamigen Straßen in verschiedenen Städten und Gemeinden auszuschließen. Die Auswahl muss er dann nochmals per Mausklick bestätigen – eine doppelte Absicherung vor Verwechslungen also. Die Kosten der Software-Neuerung für das Einsatzleitsystem mit Namen „Cobra“ betragen 2500 Euro.
In fast allen 34 Leitstellen der Feuerwehr in NRW wird dieses neue Programm angewendet. Es zeigt in jedem Fall auch die Handy-nummer des Anrufers an – selbst dann, wenn dieser die Nummernunterdrückung eingeschaltet hat.
Einige Probleme lassen sich aber auch mit diesem System nicht vermeiden: die zahlreichen „Scherz“-Anrufer, die keinen Notruf zu melden haben. „Man sollte aber immer daran denken, dass so Leitungen blockiert werden, die im Notfall dringend gebraucht werden“, betonte Kreispressesprecher Kaspar Müller-Brinkmann.
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