Kempen: Bistum weist Vorwurf zurück
zuletzt aktualisiert: 20.04.2010Kempen (RPO). Kreis Viersen (chh) Die Diözese Aachen weist Vorwürfe des Sprechers der "Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen" zurück. Sie sei trotz monatelanger Debatte über sexuellen Missbrauch ihren eigenen Versprechen nicht nachgekommen, hatte Johannes Heibel gesagt. In der gestern erschienenen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hatte er im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen gegen den aus Willich stammenden Pfarrer Georg Kerkhoff. gefordert, die im Bistum Verantwortlichen, allen voran Bischof Heinrich Mussinghoff, müssten zurücktreten.
Der Vorwurf ist nach Ansicht des Bistums beim Vorgehen im Falle Kerkhoff unbegründet. Der bischöfliche Missbrauchsbeauftragte Dr. Hans-Willi Winden gehe in einem offenen Verfahren gewissenhaft und konsequent jedem Verdacht nach. Frühzeitig würden die staatlichen Ermittlungsbehörden einbezogen, wenn das Opfer dem zustimme.
In dem von Heibel aufgegriffenen Fall hatte sich der Vater eines 19-Jährigen streng vertraulich an das Bistum gewandt und telefonisch berichtet, dass sein Sohn als Minderjähriger von dem Pfarrer sexuell missbraucht wurde.
Der Personalreferent hatte, so das Bistum weiter, den Vater nachdrücklich gebeten, seinen mittlerweile volljährigen Sohn zur Offenlegung dieses Verdachts zu bewegen, entweder beim Missbrauchsbeauftragten oder direkt bei den Strafverfolgungsbehörden. Der Vater habe zugesagt, dies seinem Sohn zu vermitteln. Das im Gespräch erfolgte Angebot zur Vermittlung therapeutischer Hilfe für den Betroffenen und seine Familie griff der Vater nach Bistumsangaben auf und wollte es bedenken.
"Das Bistum Aachen bedauert, dass es zu keiner weiteren Kontaktaufnahme gekommen ist", heißt es in einer vom Bistum verbreiteten Erklärung. Es sei weiterhin sehr um Aufklärung des im Raum stehenden Verdachts bemüht. Diese sei wesentlich für die Einschätzung der Person des Pfarrers als Priester des Bistums und der gegebenenfalls daraus auf ihn hin zu ziehenden kirchlichen Konsequenzen.
Medienberichten zufolge hat die Familie inzwischen Anzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft erstattet. Sollten sich die Missbrauchvorwürfe gegen den Pfarre. bestätigen, würde der Priester sowohl mit strafrechtlichen Mitteln als auch mit allen Mitteln kirchlichen Rechts zur Rechenschaft gezogen werden. Einen Auftrag zur Seelsorge im Bistum Aachen würde er dann nicht mehr erhalten. Gegen Kerkhoff hat Anfang März in Südafrika ein Prozess begonnen. Ermittler werfen ihm dort missbräuchlichen Umgang mit mehreren Jungen vor. Kerkhoff bestreitet den Vorwurf.
Nach Angaben des Bistums wird Bischof Heinrich Mussinghoff den Missbrauchsbeauftragten bitten, der betroffenen Familie ein Gespräch anzubieten.
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