Kempen: Bürger bieten der Polizei Hilfe an
VON CHRISTIAN HEIDRICH - zuletzt aktualisiert: 10.09.2010Kempen (RPO). Den dritten Tag in Folge durchkämmten gestern 1000 Polizisten aus Nordrhein-Westfalen Wiesen und Felder westlich von Grefrath auf der Suche nach Mirco. Die Einsatzkräfte treffen dabei auf große Hilfsbereitschaft der Bürger.
Plakate der Polizei
Zeugen gesucht Mit Plakaten und Handzetteln sucht die Polizei nach Zeugen, die sachdienliche Hinweise zum Verschwinden Mircos machen können
Reaktionen Auch aus den Niederlanden, wo die Polizei Plakate verteilte, kommen erste Hinweise, die sich auf Beobachtungen im deutschen Grenzgebiet beziehen
Sandra Peterjohann wohnt am Markt in Grefrath. Sie arbeitet bei einem ambulanten Pflegedienst. Nach Dienstschluss am frühen Donnerstagnachmittag kommt sie mit der Praktikantin Jennifer Mayus zum Grefrather Eisstadion gefahren, dem Sammelpunkt für die Einsatzkräfte aus ganz Nordrhein-Westfalen, die seit Samstag nach dem vermissten Mirco suchen, der in der nächsten Woche elf Jahre alt wird. "Wir wollen fragen, ob wir suchen helfen können", sagt sie zu Antje Heymanns, Sprecherin der Kreispolizeibehörde Viersen.
Suche an der Hinsbecker Straße
Solche Angebote gehen immer wieder bei der Polizei ein, nicht nur in Grefrath, sondern auch in anderen Teilen des Suchgebietes, das den dritten Tag in Folge 1000 Polizisten durchkämmen. Aufgrund der Hinweislage hatte sich die Einsatzleitung entschieden, den Suchkorridor in südwestliche Richtung auszudehnen. Ausgehend von der Ortschaft Müllem im Kreis Kleve durchstreifen die Kräfte ein Gebiet westlich der L 39 bis zur Hinsbecker Straße. Dort waren am Dienstagabend an einem Parkplatz Bekleidungsstücke gefunden worden. Ob sie mit dem Verschwinden von Mirco in Zusammenhang stehen, sagt die Polizei nicht. Sie verweist auf die laufenden Untersuchungen.
Die Ungewissheit bleibt, auch bei Sandra Peterjohann. Zuhause sitzen und nichts tun könne sie jetzt nicht. Gemeinsam mit ihrer Kollegin hätten sie besprochen, nach Dienstschluss zur Polizei zu fahren und zu fragen, ob sie helfen können. Die Grefratherin kennt Mircos Familie. "Man ist so hilflos", sagt Sandra Peterjohann mit einem bedrückten Gesichtsausdruck.
Polizeisprecherin Antje Heymanns ist über das Hilfsangebot erfreut. Die Anteilnahme der Bevölkerung sei überwältigend, sagt sie. Aber die Suchmaßnahme sei Sache der Polizei. Die Einsatzkräfte seien dafür ausgebildet, bei nicht fachgerechter Suche könnten möglicherweise Spuren zerstört werden. Auch wenn aus der Hilfe bei der Suche nichts wird, die Polizei ist dankbar für jede anderweitige Unterstützung durch die Bürger. Immer wieder berichten Suchtrupps, dass Anwohner sie mit Kaffee bewirten.
Bei der Polizei kommt diese Art der Hilfe an. Sie ist moralische Unterstützung bei der sehr belastenden Suche. Polizeikommissar Burkhard Borger gehört zur Einsatzhundertschaft Mönchengladbach. Seit Samstagmorgen sind der Nettetaler und seine Kollegen rund um Grefrath im Einsatz, um nach Mirco zu suchen. Einen solchen Einsatz hat Borger noch nie erlebt. Seit 1994 ist er Polizist, seit vergangenem Jahr wieder in der Einsatzhundertschaft, nachdem er vor Jahren schon einmal dort eingesetzt war.
Immer dann, wenn es um Kinder gehe, seien die Polizisten besonders betroffen. Auch er. Immer wieder denkt er an seine Frau und die vier Kinder. Doch einen Gedanken versuchen er und die anderen Polizisten zu verdrängen: dass sie Mirco nur noch tot finden. Und hoffentlich sei man es dann nicht selbst, der diesen traurigen Fund mache. Diese Sorge steigt immer wieder in den Polizisten auf. Besonders stark sei sie gewesen, als die Hundertschaft in den vergangenen Tagen bei Einbruch der Dämmerung nur im Schein von Taschenlampen ein Maisfeld durchsuchte. Dennoch: Die Hoffnung, den Jungen lebend zu finden, soll nicht sterben.
Heinz Lennartz ist Erster Polizeihauptkommissar und leitet die Mönchengladbacher Einsatzhundertschaft. Seit 1974 ist er Polizist, der 54-Jährige war schon an einigen Suchaktionen beteiligt. "Suche nach Kindern sind heftige Einsätze. Das läuft einem immer nach", sagt er. Mit Sonden durchstreifen die Polizisten in langen Reihen Felder und Wiesen auf der Suche nach allem, was die Ermittlungen weiterbringen könnte. Unabhängig, wie die Suche verläuft, Lennartz will den Einsatz mit dem Gefühl zu Ende bringen: "Wir haben alles Mögliche getan."
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