Gemeinde Grefrath: "Da bekommt man ja Angst"
VON STEPHANIE WICKERATH - zuletzt aktualisiert: 06.09.2010Gemeinde Grefrath (RPO). Seit Freitagabend wird der zehnjährige Mirko Schlitter aus Grefrath vermisst. Zwei Tage durchkämmten 300 Polizisten mit Spürhunden und Wärmebildkameras die Niersauen. Eine erste Spur führte in Richtung Wachtendonk.
Zwei Tage lang kreist der Polizeihubschrauber über Grefrath und Oedt, zwei Tage lang suchen 300 Polizisten, eine Hundestaffel und die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr nach dem zehnjährigen Mirko Schlitter aus Grefrath. Erfolglos.
Am Freitagabend um kurz nach 21 Uhr wird der Schüler zum letzten Mal gesehen. Mit seinem sportlichen, grasgrünen Fahrrad fährt er an der Bushaltestelle Johannes-Fruhen-Straße vorbei. Zuvor ist er auf der Skaterbahn an der Oedter Schule gewesen. "Er hat von dort aus noch einen Freund aus Oedt nach Hause begleitet", sagt Polizei-Pressesprecher Willy Theveßen. Seine Mutter erreichte Mirko noch auf dem Handy und fragte, wo er bleibe. Der Junge versprach, sich auf den Weg zu machen.
Beschreibung
Personenbeschreibung Der vermisste Junge ist 1,50 Meter groß, schlank und hat kurze, blonde Harre, die er in einem Irokesenschnitt trug. Am Freitag war er mit einer dunkelgrauen Jogginghose und einem hellen T-Shirt bekleidet.
Hinweise Wer etwas über den Verbleib von Mirko Schlitter weiß, kann sich an die Polizei unter 02162-3770 wenden.
Rad lag achtlos im Feld
Am Samstag wurde das Fahrrad von Mirko gefunden. Es lag achtlos im Feld neben dem Fuß- und Radweg, der entlang der Niers von Oedt nach Grefrath führt. "Der Junge ist noch nie von Zuhause weg gewesen und es gibt auch keine Anzeichen, dass er weglaufen wollte", sagt Theveßen.
Mirko hat noch drei Geschwister. "Die Eltern sind sehr nette Leute, die viel Gutes für ihre Kinder tun", weiß Hartmut Boecker, der evangelische Pfarrer von Grefrath. Beim Familienfest in der vorigen Woche habe die Familie, die selber einer evangelischen Freikirche mit Sitz in Krefeld angehört, sich noch beim Stockbrotbraten engagiert. "Ganz Grefrath ist sehr betroffen", sagt der Pfarrer.
Auch auf der Skaterbahn herrscht Betroffenheit. "Ich bin selber am Freitag noch hier gewesen", erzählt Lisa Reichmann. Weil nichts mehr los gewesen sei, ist die Zwölfjährige aber um 18 Uhr gegangen. Auch Pia Sawicki schüttelt den Kopf. "Da bekommt man ja Angst", sagt die Schülerin. Ihre Mutter wolle sie und ihren Bruder schon gar nicht mehr zur Skaterbahn gehen lassen.
Gegenüber im Schützenzelt, wo an diesem Wochenende gefeiert wird, beherrscht das Thema ebenfalls den Nachmittag. "Sonst sieht man das nur im Fernsehen und jetzt haben wir das Fernsehen hier", sagt ein Mann. "Dass sowas bei uns passiert", bemerkt ein Anderer fassungslos. Niemand glaubt, das der Junge einfach weggelaufen ist, alle sprechen von einem Verbrechen. "Sonst hätte er doch sein Fahrrad nicht da liegen lassen", sind sich die Anwohner sicher.
Am Nachmittag schlagen die Fährtensuchhunde an. Sie führen die Polizisten in Richtung Wachtendonk. Im Bereich der Ortschaft Vorst allerdings verliert sich die Spur von Mirko wieder. Dennoch keimt Hoffnung auf. Die Suche nach dem Zehnjährigen geht bis zum späten Abend weiter.
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