Kempen: Der Banker als Lehrer
VON NATASCHA BECKER - zuletzt aktualisiert: 07.11.2007Kempen (RPO). Unterricht ganz anders am LvD: Der Lehrer trägt einen Nadelstreifenanzug und ist eigentlich gar keiner. „Fit für die Wirtschaft“ heißt das Programm, in dem Neuntklässler einem Citibanker lauschten. Nicht nur Theorie war angesagt
Auf den Tischen türmen sich Federmappen und aufgeschlagene Blöcke. 20 Schüler schreiben fleißig mit, was vorne an der Tafel notiert wird, dazwischen fliegen Finger in die Höhe, denn den Schülern kommen immer neue Ideen in Sachen Vor- und Nachteile von Online Banking, dem aktuellen Thema. Ganz normaler Schulalltag im Kempener Luise-von-Duesberg-Gymnasium, zumindest scheint es auf den ersten Blick so. Doch der Mann im dunkelbraunen Nadelstreifenanzug, der an der Tafel steht ist kein Lehrer, sondern Banker. Während er vorne den Ton angibt, sitzen Kira Preen und Markus Lübbers, die eigentlichen Lehrer der Klasse, inmitten ihrer Schüler und hören ebenfalls zu.
Differenzierungskurs
Der Differenzierungskurs Ökonomie, Physiologie und Deutsch am Kempener Luise-von-Duesberg-Gymnasium wird seit diesem Schuljahr zum ersten Mal in der neunten Klasse angeboten. Während sich im aktuellen Schuljahr alles um die wirtschaftliche Theorie dreht, geht es im zehnten Schuljahr um die Gründung einer Schülerfirma.
Fit für die Wirtschaft
Im Rahmen des Projektes „Fit für die Wirtschaft“ erleben die Schüler des Differenzierungskurses Ökonomie, Physiologie und Deutsch der Jahrgangsstufe neun am Gymnasium derzeit eine andere Art des Unterrichts. Statt Preen oder Lübbers, die beide den Kursus normalerweise im Wechsel unterrichten, hat Andreas Mühlenhaus von der Citibank das Unterrichtsruder in der Hand. Für fünf Wochen schlüpft der Experte aus der Wirtschaftspraxis für jeweils eine Doppelstunde in der Woche in die Rolle des Lehrers. Das Ganze ist möglich, weil der Differenzierungskursus am Projekt der Citibank und des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln teilnimmt.
Mittlerweile hat Mühlenhaus fast die ganze Tafel vollgeschrieben. „Ich glaube, jetzt haben wir hier wirklich alle Vor- und Nachteile des Online Banking stehen“, meint er. Jeder kann nun für sich abwägen, ob er diese Form des Banking nutzen würde. Sei es im privaten Leben oder bei einer späteren möglichen Firma.
Aber nicht nur das Online Banking steht auf dem Stundenplan. Nach den Möglichkeiten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs wird es ein wenig komplexer. Mühlenhaus beginnt mit der Vorstellung der verschiedenen Anlagenformen. Angefangen beim altbekannten Sparbuch über Festgeld bis hin Aktien. Ein aufmerksam zuhörendender Kursus ist ihm garantiert.
Das ist nicht nur Theorie, sondern ein Fachmann informiert aus der Praxis. Und was der Banker berichtet, muss schließlich gut ins Gedächtnis aufgenommen werden – schließlich wollen die 20 Schüler im nächsten Jahr im Rahmen des Unterrichts eine eigene Firma gründen. „Ich finde es super, dass uns in diesem Bereich ein Fachmann unterrichtet. Das liegt richtig nah an der Praxis“, urteilt die 14-jährige Julia. Ihre gleichaltrige Klassenkameradin Lisa schließt sich dem an. „Das ist gerade das Tolle am unserem Differenzierungskurs. Hier erfahren wir, wie es in der Wirtschaft zugeht. Ich denke, dass sind Erfahrungen, die wir alle fürs Berufsleben bestens nutzen können“, meint Lisa. Es sei für das spätere Arbeitleben mehr als nur informativ, was man im Ökonomie-Lehrgang lerne, ist sich auch Marco (15 Jahre) sicher. Dass der Differenzierungskurs heiß begehrt ist, zeigten die Zahlen. 20 konnten teilnehmen, 70 Schüler hatten sich beworben.
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