Kempen: "Der Hermans verdient es"
VON GERT UDTKE - zuletzt aktualisiert: 08.09.2009Kempen (RPO). 340 Gäste erheben sich, klatschen minutenlang, als Bürgermeister Karl Hensel seinem Vorgänger und Vize Karl-Heinz Hermans die Urkunde zum Ehrenbürgerrecht überreicht. Eine äußerst seltene Auszeichnung am 80. Geburtstag.
Die Paterskirche war gestern Abend bis auf den letzten Platz gefüllt. Familie Hermans, Vertreter der Politik, der Kirchen, der Wirtschaft, des Handels, der Vereine, dazu der einzige lebende Ehrenbürger, der frühere Stadtdirektor Klaus Hülshoff, ausgezeichnet vor 18 Jahren: So selten wird das Ehrenbürgerrecht verliehen, so hoch ist die Auszeichnung, so einmütig die Anerkennung für Karl-Heinz Hermans. Im Juni hatte der Stadtrat einstimmig beschlossen, dem aus der Politik scheidenden, langjährigen Bürgermeister und Vize das Ehrenbürgerrecht zu geben.
Bürgermeister Karl Hensel zählte noch einmal die wichtigsten Gründe auf: Hermans wirke wie kein anderer integrierend, führe die Bürger aus Kempen und den Ortsteilen St. Hubert und Tönisberg zusammen. "Der Hermans", wie ihn der Volksmund nennt, verkörpere eine politische Autorität, der man vertrauen und an die man sich vertrauensvolle wenden könne, betonte Hensel. "Der Hermans" habe die Ehrenbürgerschaft verdient, heiße es. Er hob dessen bürgerschaftliches Engagement hervor, das sich schon im Kleinsten zeige, indem er als Bürgermeister die Geranien auf seiner Ellenstraße gieße – ein Vorbild für alle. Er bekam übrigens von den Kempener Pfarrern einen praktischen Gießstab mit Pumpe.
Die Ehrenbürger
Ehrenbürgerrecht Es soll nur sehr selten und nur für ganz besondere Verdienste um eine Stadt verliehen werden. Es ist ein rein ideelles Recht und mit keinen finanziellen Vorteilen verbunden.
Ehrenbürger der Stadt Kempen:
Hugo Herfeldt (1919), stellvertretender Bürgermeister in Kempen;
Peter Kother (1948), erster Nachkriegsbürgermeister in Kempen;
Heinrich Steves (1957), Bürgermeister von Schmalbroich;
Heinrich Op de Hipt (1964), Bürgermeister in Tönisberg;
Klaus Hülshoff (1990), 1960 bis 1990 Kempener Stadtdirektor.
Liebe zur Vaterstadt Kempen
Hensel lobte Hermans' Einsatz für Kinder und Jugendliche und seine Fähigkeit zum politischen Ausgleich. Über allem stehe dessen ganz persönliche Liebe zur Vaterstadt Kempen, die Hensel an einem Gedicht von Grobben in Kempener Mundart (zitiert mit Dülkener Einschlag) festmachte: "Dou bes mech an et Hert jeschmedt,/ du lötts mech nie miehr loas,/ on wä dech kennt, min Vadderstodt,/ däm häls de jrad sue-e foas."
Bei allen Rednern war zu spüren, dass ihr Lob keine Pflichtübung war, sondern wie der rauschende Beifall aus dem Herzen kamen. Der evangelische Pfarrer Michael Gallach machte einen Stadtrundgang mit Hermans: "Sie haben die wunderbare Gabe, alle Kempener einzubinden, Alteingesessene und Neuzugezogene." Heiner Wirtz vom Martinsverein erwähnte in humorvoller Rede den Ausspruch von Hermans: "Man kann ja nicht in allen Vereinen Mitglied sein." Er kann es offenbar doch, angefangen bei der Gruppe der Frühschwimmer im aqua sol. Sohn Heiner Hermans verriet schmunzelnd einige Familienanekdoten: "Mein Vater ist Lebensfreude pur, made in Kempen."
Der 80-Jährige dankte allen, vor allem seiner Frau Resi für den Freiraum, in dem er seine Aufgaben erfüllen konnte. Er nannte sich "glücklich, dankbar, geehrt und etwas nachdenklich." Und versprach allen, "nicht in Lethargie zu verfallen". Wer den weißhaarigen Jungspund sieht, ist davon überzeugt.
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