Kempen: Die Grippewelle rollt an
VON TOBIAS DUPKE - zuletzt aktualisiert: 20.01.2009Kempen (RPO). Kopf- und Gliederschmerzen, hohes Fieber, vermindertes Leistungsvermögen – immer mehr Menschen zeigen die typischen Symptome einer Grippe. Das Robert-Koch-Institut rät gefährdeten Personen auch jetzt noch zur Impfung.
Influenza-Virus
Problem Hohe Mutationsrate, dadurch ständig veränderte Andock-Punkte für Antikörper.
Vermehrung Eine von einem Virus befallene Wirtszelle produziert bis zu 100 000 Tochterviren.
Widerstandsfähigkeit In warmer, feuchter Umgebung überleben die Viren mehrere Tage, bei unter Null Grad praktisch unbegrenzt. Ab etwa 70 Grad ist das Virus nicht mehr wirksam.
Kempen/Grefrath Früher als sonst hat die Grippewelle Kempen und Grefrath erreicht. "Normalerweise kommen Mitte Februar die ersten Patienten mit einer echten Grippe in die Praxis", erklärt Anneliese Lückertz-Jost. Doch bereits jetzt behandelt die Ärztin aus Grefrath mehrere Personen, die sich mit dem Influenza-Virus angesteckt haben. Und scheinbar ist der Erreger gefährlicher als sonst.
Denn das Robert-Koch-Institut hat bei Untersuchungen der aktuellen Fälle Viren gefunden, die sehr aggressiv sind. Dabei soll es sich um um eine Gruppe handeln, die in der Vergangenheit häufig mit schweren Krankheitsverläufen einherging und für einige Todesfälle verantwortlich war.
Schlagartige Symptome
Die Influenza wird per Tröpfcheninfektion übertragen. Der Körper reagiert nach kurzer Inkubationszeit mit starken Kopf- und Gliederschmerzen, trockenem Husten sowie hohem Fieber. "Die Patienten fühlen sich schlagartig richtig schlecht", erklärt Lückertz-Jost. Da Viren keine Reaktion auf Antibiotika oder ähnliche Medikamente zeigen, können lediglich die Krankheitssymptome beispielsweise mit fiebersenkenden Mitteln bekämpft werden.
"Wichtig ist außerdem, dass sich die Patienten nicht zu sehr körperlich anstrengen. Bettruhe ist oberstes Gebot." Außerdem sollte möglichst viel getrunken werden. Eine Grippe kann einen Menschen durchaus zwei Wochen aus dem Verkehr ziehen. Die Viren können aber auch auf den Herzmuskel übergreifen und dort zu einer Myokarditis, einer gefährlichen Entzündung führen. Dadurch wiederum kann das Herz bleibende Schäden davontragen.
Dazu kommt ein weiteres Problem: "Die Superinfektionen", erklärt Lückertz-Jost. Sie treten dann auf, wenn sich zur ohnehin schon kraftraubenden Influenza noch eine bakterielle Infektion gesellt. "Vor allem ältere Menschen sind gefährdet. Zur Grippe kommt dann beispielsweise noch eine Lungeentzündung." Dabei hat das Immunsystem bereits genug mit der Viruserkrankung zu tun.
Daher rät die Medizinerin zur Prophylaxe: "Menschenansammlungen meiden und häufig die Hände waschen. Außerdem kann ein Mundschutz sehr wirksam sein." Eine gesunde Ernährung trägt ihren Teil dazu bei.
Lückertz-Jost aber auch die Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) bauen nicht alleine auf die körpereigene Abwehr und empfehlen auch jetzt noch eine Grippeimpfung. "Vor allem für Ältere und chronisch Kranke ist sie wichtig", erklärt RKI-Präsident Jörg Hacker. Der Körper benötigt zehn bis 14 Tage, um nach der Impfung einen Schutz gegen Grippeerreger aufzubauen. In den Apotheken des Kreises Viersen sei derzeit noch genügend Impfstoff vorhanden, berichtet deren Sprecher Joachim Kresken. Frage des Tages
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