Stadt Kempen: Die Hilfe beim Weg ins Leben
VON ANDREAS CÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 24.01.2009Stadt Kempen (RPO). Seit 40 Jahren ist Gabriele van Wickeren als Hebamme tätig. Einige tausend Kinder sind seitdem mit ihrer Hilfe auf die Welt gekommen. In ihrer Elternschule bietet sie Kurse für die Zeit vor und nach der Geburt an.
Wenn Gabriele van Wickeren einkaufen geht, muss sie für den Gang durch den Supermarkt stets ein paar Minuten mehr einplanen. "Es kann passieren, dass ich immer wieder angesprochen werde", sagt sie. Das macht der 57-Jährigen grundsätzlich wenig aus. "Nur wenn ich es eilig habe, muss ich mir eigentlich einen Tunnelblick zulegen."
Gabriele van Wickeren ist keine Prominente, die ständig auf der Straße erkannt und angesprochen wird. Vielen Müttern oder Eltern in Kempen ist sie aber sehr wohl bekannt – aus dem Kreißsaal. Viele Babys aus dem Kempener Hospital zum Heiligen Geist sind mit ihrer Hilfe auf die Welt gekommen. Wie viele genau, das kann sie nur schätzen. "Bei 3600 Geburten habe ich aufgehört zu zählen", sagt sie schmunzelnd.
Eigene Kolumne
Ausbildung Gabriele van Wickeren ist Hebamme und Psychotherapeutin HP.
Zertifikate Die 57-Jährige ist zudem als Erziehungstrainerin, Schulcoach, in der systemischen Familientherapie, Ortganisations- und Familienaufstellung sowie der "Partnerschule" zertifiziert.
Kolumne Ab der kommenden Woche wird Gabriele van Wickeren auf dieser Seite eine Kolumne rund um das Thema Schwangerschaft, Geburt und die erste Zeit mit dem Kind schreiben.
Schulkameradin als Vorbild
In diesem Jahr geht van Wickeren in ihr 40. Jahr als Hebamme. 1969 begann sie ihre Ausbildung in der Landesfrauenklinik in Wuppertal. "Eine Schulkameradin hatte sich für den Hebammenberuf entschieden", erinnert sie sich. So kam auch sie auf den Gedanken, diese Ausbildung zu machen. "Ich wollte auf jeden Fall beruflich viel mit Menschen zu tun haben. An Hebamme hatte ich dabei nie gedacht. Ich wäre wohl eher Hotelkauffrau geworden", glaubt sie.
40 Jahre später ist sie nicht nur Hebamme, sondern auch Psychotherapeutin HP. Und einen spannenderen Beruf kann sich Gabriele van Wickeren nicht vorstellen. "Eine Geburt ist für mich immer noch ein Wunder", schwärmt sie. Vor allem die erste Begegnung und der erste Kontakt von Mutter und Kind empfindet die Hebamme als großes Glück. "Diese Momente haben viel mit Ehrfurcht und Dankbarkeit zu tun", sagt van Wickeren.
Wenn die 57-Jährige über ihren Beruf spricht, fallen häufig die Wörter Leidenschaft und Herzblut. "Eine Hebamme sollte von vornherein Empathie mitbringen und offen sein", meint sie. Nur so könne es jedes Mal aufs Neue gelingen, ein Vertrauensverhältnis zu den Eltern zu schaffen, die in einer ganz besonderen Situation auf das Können und die Routine der Hebamme setzen. "In dem Beruf spielt Erfahrung eine große Rolle", sagt van Wickeren. Das hat sie gemerkt, als sie mit 22 Jahren in den Beruf ging. "Als junge Hebamme muss man sich Vertrauen hart erarbeiten. In dieser Zeit war ich froh, dass ich viel von meinen älteren Kolleginnen lernen konnte."
Heute verfügt Gabriele van Wickeren, die selber zwei erwachsene Söhne hat, über reichlich Berufserfahrung. Um den Eltern möglichst lange eine kompetente Anlaufstelle zu sein, hat die freiberufliche Hebamme vor bald 20 Jahren die Elternschule Kempen gegründet. Dort bietet van Wickeren mit sechs Mitarbeiterinnen verschiedene Kurse rund um Schwangerschaft, Geburt und erste Lebensjahre an. Und dabei trifft sie mitunter Mütter wieder, die sie vor vielen Jahren selbst noch auf die Welt geholt hat.
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