Kempen: "Die Lage ist besser als die Stimmung"
zuletzt aktualisiert: 27.07.2010Kempen (RPO). Herr Schummer, das U in CDU und CSU steht für Union. Union bedeutet auch Zusammenhalt. Spüren Sie den gegenwärtig noch in Ihrer Partei?
Uwe Schummer Ich spüre einen anderen Gedanken: den der Freiheit. Es wird sehr frei und öffentlich geredet. Diese Freiheit der Ideen darf den inneren Zusammenhalt der Union aber nicht gefährden. Dass sachlich über Themen wie Sparpläne oder Gesundheit diskutiert wird, ist in Ordnung. Loyalität und Fairness sollten dabei aber immer im Vordergrund stehen.
Die jüngsten Umfragen sehen auf Bundesebene eine absolute Mehrheit für Rot-Grün. Kanzlerin Merkel ist dagegen im Umfragetief.
Schummer Wenn wir jede Woche auf die Umfragen schielen würden, kämen wir nicht mehr zum Regieren. Entscheidend wird die Bilanz am Ende einer Legislaturperiode sein. Und die sehe ich optimistisch. Derzeit ist die Lage im Land besser als die Stimmung. Vor einem Jahr war es genau umgekehrt. Damals wurden uns fünf Millionen Arbeitslose prognostiziert. Stattdessen sind wir aber dabei, die Drei-Millionen-Grenze zu unterschreiten.
In Hamburg hat die Schwarz-Grüne Koalition einen Volksentscheid verloren. Bürgermeister Ole von Beust ist zurückgetreten. Viele sehen das Modell Schwarz-Grün, für das auch Sie sich begeistern können, damit schon als gescheitert an. Sie auch?
Schummer Eine der Lehren aus der Landtagswahl in NRW ist, dass wir ein Fünf-Parteien-System haben. Da ist jedes Lagerdenken falsch. Ich werde keinen Koalitions-Wahlkampf mehr machen. Es sollte stattdessen darum gehen, für uns Christdemokraten das beste Ergebnis zu erzielen. Anschließend sollte man zusammenzählen, schauen, welche Konstellation mit welcher Partei am sinnvollsten ist und ergebnisoffen verhandeln. Damit erhält man sich jede Option – auch Schwarz-Grün.
Bei der Suche nach einem Nachfolger für den Vorsitzenden der NRW-CDU, Jürgen Rüttgers, werden zunehmend Stimmen laut, die eine Mitgliederbefragung fordern. Wie stehen Sie zu dieser Frage?
Schummer Das ist eine exzellente Idee. Das würde den Mitgliedern signalisieren, dass sie entscheiden. Deshalb unterstütze ich diese Idee sehr gerne. Zumal wir in NRW mit Norbert Röttgen und Andreas Krautscheid zwei hervorragende Kandidaten für dieses Amt haben.
Binnen eines Jahres hat die CDU aus unterschiedlichen Gründen mehrere Landeschefs verloren. Wie schwer wiegt dieser Verlust?
Schummer Jürgen Rüttgers, Roland Koch oder Ole von Beust decken die ganze Bandbreite dessen ab, wofür die CDU steht. Zudem sind sie vertraute Persönlichkeiten, die auch wichtig waren für die Identifikation mit der Gesamtpartei. Meine Hoffnung ist, dass Talente nachkommen. Den neuen Ministerpräsident von Niedersachsen (David McAllister, Anm. d. Red.) halte ich beispielsweise für eine sehr interessante Persönlichkeit. Und Norbert Röttgen hat als Bundesumweltminister viel Profil gewonnen.
Andreas Cüppers führte das Gespräch.
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