Kreis Viersen: Eigene Bücherei neu gründen
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 24.02.2007Kreis Viersen (RPO). Die Zukunft der Kreis- und Stadtbücherei in Kempen bleibt ungewiss. Dafür zeichnet sich im Südwestkreis eine Ersatzlösung für den Bücherbus ab: Schwalmtal und Niederkrüchten könnten gemeinsam eine Bücherei betreiben.
Geld und Partner
Zuschüsse Mit Zuschüssen des Landes könnten Schwalmtal und Niederkrüchten gemeinsam eine leistungsfähige Bücherei mit Fernleihe betreiben. Bürgermeister Schulz wäre bereit, wenn er nicht mehr Geld aufbringen müsste, als er in die Sonderumlage für die Fahrbücherei steckt.
Partner Schulz verhandelt derzeit mit einem Interessenten über eine Trägerschaft und die Unterbringung. Möglicherweise könnte ein Förderverein zusätzlich helfen.
Schwalmtals Bürgermeister Reinhold Schulz will das Feld nicht kampflos räumen. Ehe er Kinder und Jugendliche dem Zugriff von Fernsehen, Computerspielen oder Spielkonsolen überlässt, möchte er eine eigene Bücherei betreiben. Im Prinzip ist er sich darin mit seinem Niederkrüchtener Kollegen Herbert Winzen einig. Die Gemeinden müssen nur noch einen tragfähigen Weg zur eigenen, leistungsfähigen und komplett vernetzten Bücherei finden.
Weiter gute Literatur
Kreiskulturdezernent Professor Dr. Leo Peters zeigte sich gegenüber den Kulturpolitikern des Kreistags zuversichtlich, dass die südwestliche Ecke des Kreises auch künftig öffentlich mit guter Literatur versorgt wird. Nach Gesprächen mit Fachleuten der Bezirksregierung zeichnet sich ab, dass die Gemeinden eine „Bibliothek der ersten Stufe“ betreiben können. Dafür wird eine halbe Stelle geschaffen, die Bücherei wird 20 Wochenstunden öffnen, der Medienbestand dürfte mindestens 10 000 Einheiten haben. Zurückgreifen kann die neue Einrichtung auf den nach Peters’ Angaben ausgezeichneten Bestand der Fahrbücherei. Er wird nach ihrer Auflösung ohnehin verteilt. Es gebe „gute Gründe“, so Peters, dass der Bücherbus die Gemeinden noch bis Ende 2008 versorgt. Bürgermeister Schulz führt bereits Gespräche mit einem möglichen Träger. Professor Peters’ Zuversicht, dass in Niederkrüchten, Schwalmtal und Brüggen (die Gemeinde will ihre Bücherei verbessern) ab 1. Januar 2009 „eigene bibliothekarische Strukturen“ geschaffen sind, dürfte nicht übertrieben sein.
Schwieriger dagegen gestaltet sich die Zukunft der heutigen Standortbücherei in Kempen im Kulturforum Franziskanerkloster. Im Ausschuss äußerte sich Peters ausgesprochen zurückhaltend, weil er um eine „sehr emotionale Angelegenheit“ nicht erneut „publizistischen Wirbel“ anzetteln will. Kempen möchte eine Bücherei mit vier Stellen und einem Medienbestand von etwa 50 000 Einheiten betreiben. Anfang März soll das Konzept für eine eigene Bücherei auf dem Tisch liegen. Und dann wird der Kreis prüfen, ob „wir uns da wiederfinden“, kündigte Peters an. Im Klartext: Der Kreis wird dann entscheiden, ob er die Zusammenarbeit mit Kempen fortsetzen kann oder bis Anfang Juni die Kooperation aufkündigen wird. Der Kulturausschuss des Kreistags hörte sich die Ausführungen des Dezernenten interessiert und kommentarlos an. Die Politik wird abwarten, welchen Weg Kempen nehmen wird.
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