Kempen: Eine feste Bank in der Krise
VON GERT UDTKE - zuletzt aktualisiert: 07.01.2010Kempen (RPO). Trotz weltweiter Turbulenzen präsentiert sich die Volksbank Kempen-Grefrath als kerngesundes, ertragsstarkes Haus mit hohem Eigenkapital. Sie setzt auf Kundennähe und Vertrauen. Von der EC-Kartenpanne blieb sie verschont.
kempen/grefrath Schuster bleib' bei deinen Leisten – dieses konservative Geschäftsmodell der Volksbank Kempen-Grefrath habe sich absolut bewährt, betonte gestern Vorstandsvorsitzender Josef Stieger: "Mach nur das, was du kannst, aber das besonders gut." Die Bilanzzahlen für das schwierige, von der Finanzkrise gebeutelte Jahr 2009 unterstreichen das Erfolgsrezept.
Die Bilanzsumme ist um 2,3 Prozent auf mehr als 300 Millionen Euro gestiegen. Auch die Einlagen wuchsen nach dem Rekordplus im Vorjahr weiter um 0,8 Prozent. 197 Millionen Euro vertrauten die Kunden der Volksbank an. Viele verlagerten ihre Spargelder mit Blick auf die Krise der Großbanken und Finanzkonzerne auf die regional verankerte und sichere, nicht auf Staatshilfe angewiesene Volksbank. Stieger und sein neuer Vorstandskollege Helmut Thönes stellten heraus, dass ihr Geldinstitut diese Kundeneinlagen nicht nur gehalten, sondern neue dazu gewonnen habe. Das gilt auch für die Mitglieder der genossenschaftlich organisierten Bank: Die Zahl der Anteilseigner stieg um 239 auf 5676. Ihnen soll, wenn die Vertreterversammlung am 18. März zustimmt, eine Dividende von sechs Prozent ausgezahlt werden.
Keine EC-Kartenpanne
Karten Die Volksbank Kempen-Grefrath ist von der bundesweiten und bankenübergreifenden EC- und Kreditkartenpanne wegen eines fehlerhaften Chips verschont geblieben. Das hiesige Geldinstitut hatte bereits vor Jahresende – jeweils zum Stichtag 31.12. werden die alten Karten ungültig – alle neuen Karten verteilt. "Sie waren in Ordnung", sagte gestern Vorstandschef Josef Stieger.
Zahlen Die Volksbank hat in ihren vier Geschäftsstellen und an zwei Automatenstandorten 294 000 Barverfügungen (Geldabhebungen) im Jahr mit einem Volumen von 44 Millionen Euro. Das heißt: Rund 800 Mal am Tag ziehen Kunden Geld aus den VB-Automaten.
Der Jahresüberschuss legte 2009 um 250 000 auf knapp 900 000 Euro zu. Für das offenkundige Vertrauen der Kunden sah Stieger einen wichtigen Grund: Die Berater in der Volksbank seien keine Verkäufer, die von den Provisionen leben: "Sie werden nicht nach Produktverkäufen bezahlt." Und die Volksbank sei nicht anonym, sondern arbeite vor Ort in Kempen, Grefrath und Oedt: "Mit uns kann man reden."
Bei den Geldanlagen waren 2009 vor allem flexible und kurzfristige Formen gefragt: So wuchsen die Sichteinlagen einschließlich Tagesgeld um 36 Prozent. Auch die Spareinlagen mit festen Zinsen, vor allem Termingeldgeschäfte, stiegen um 13 Prozent. Im Kreditgeschäft blieb die Volksbank mit 165 Millionen Euro nach wie vor stark engagiert – auch wenn sie bei finanziellen Bedenken mal Nein sagte. Von einer Kreditklemme könne dank des hohen Eigenkapitals der Volksbank nicht die Rede sein, betonte Stieger. In den eigenen Büchern stieg das Kreditvolumen um 1,8 Prozent. Rechnet man die über 15 Jahre laufenden Baufinanzierungen hinzu, die sie an ihren Verbundpartner R+V-Versicherung vermittelte, liegt die Zunahme sogar bei drei Prozent. Ein Renner sind die Finanzierungen erneuerbarer Energien, besonders von Photovoltaikanlagen etwa auf Scheunendächern. Die Kreditsumme verdoppelte sich hier auf zehn Millionen.
Die Aktiendepots der Kunden legten 2009 dank gestiegener Kurse um 35 Prozent an Wert zu. Zurückhaltung ist aber spürbar: Die meisten Kunden wollen Sicherheit für ihr Geld, so Stieger, nicht langfristige Renditechancen. Nach wie vor werden Lebensversicherungen und Riester-Sparverträge zur Altersvorsorge geschlossen. Frage des Tages
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