Kempen: Einigkeit macht Handel stark
VON GERT UDTKE - zuletzt aktualisiert: 27.10.2007Kempen (RPO). Der Einzelhandel in Kempen blüht. Handwerkermarkt, Altstadtfest, Kunsttage, Kempen Live zogen Zigtausende Gäste an, die Nachfrage nach LÄden ist größer als das Angebot. Der Werbering hat eine Menge vor, dass es so bleibt.
Dabei setzt die Einzelhändlergemeinschaft auf zwei Verbündete, den Verkehrsverein und die Stadt Kempen. „Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist eine zuverlässige Partnerschaft entstanden“, freute sich Werberingchef Reinhard Stein. „Es läuft reibungslos“, was Erster Beigeordneter Volker Rübo und Verkehrsvereinsvorsitzender Heinz-Josef Rox beim Pressegespräch am Donnerstagabend nur bestätigen konnten. Die Bilanz 2007 belegt diese Harmonie: Der Handwerkermarkt vor zwei Wochen war „der Knaller schlechthin“, fand Stein, das Altstadtfest im Mai war „erfreulich deutlich im Aufwind“, die Kunsttage besser besucht als früher: „Wir sind mehr als zufrieden.“
Generationswechsel in Geschäften
Solche gemeinsamen Aktionen kommen nicht nur den Geschäftsleuten zugute. Die Stadt, deren spektakuläre Hundertwasser-Ausstellung zum Beispiel auch vom Werbering beworben wird, profitiert von einer lebendigen City, die Bürger von einem vielfältigen Kaufangebot, der Verkehrsverein von der touristischen Werbewirkung weit ins Umland hinein. Stein: „Da steckt noch viel Potenzial drin.“
Märkchen-Aktion
Heute startet der Werbering Kempen seine beliebte Weihnachtsmärkchen-Aktion. Pro fünf Euro Kaufpreis erhält der Kunde in den Ringgeschäften ein Märkchen, 20 werden in ein Heftchen geklebt, die dann an den Verlosungen teilnehmen. 60 000 Heftchen werden gedruckt.
Bei sechs Zwischenziehungen sind jeweils 40 Verzehrgutscheine für die Gastronomie zu je 35 Euro zu gewinnen. Bei der Hauptziehung sind die Hauptpreise 5000, 2000 und 1000 Euro in bar, dazu 120 Geschenkgutscheine à 30 Euro für Geschäfte oder Gaststätten.
Insgesamt werden 20 000 Euro ausgesetzt.
Das muss genutzt werden, denn auch in Kempen zeichnen sich Probleme ab. In einer Reihe inhabergeführter Geschäfte steht ein Generationswechsel an. Aber nicht immer tritt der eigene Nachwuchs in die Fußstapfen der alteingesessenen Händler. Fremde Nachfolger muss der Werbering erst einmal für sich gewinnen. Mit seiner neuen Broschüre „Gemeinsam stark sein!“ ist es ihm jetzt gelungen, 14 frische Mitglieder zu gewinnen, so dass er nun 72 Voll- und 34 Fördermitglieder sowie 14 Gastronomen in seinen Reihen hat. Aufpoliert wird der Internetauftritt, der den Mitgliedsgeschäften auch eine Plattform für ihre Präsentation bieten will. Vorsorglich will der Werbering ein Leerstands-Management installieren – zumindest eine Kontaktadresse für Ladeninteressenten.
Im Moment stellt sich das Problem der Leerstände noch nicht wie in Nachbarstädten. Durch einen gesunden Branchenmix ist der Kempener Handel gut aufgestellt. Einige große, mehrere kleine Filialisten und zahlreiche Einzelhändler sorgen dafür, dass „keine Uniformierung“ eintritt, so Stein. Auch die Stadt sei nicht daran interessiert, bekräftigte Rübo, nur Filialen von großen Ketten in ihren Mauern zu haben: „Einzelhändler zeichnen Kempen aus.“ Hier warte eine wichtige Aufgabe auf den neuen Technischen Beigeordneten. Allerdings: Weder Stadt noch Werbering könnten verhindern, dass hier zum Beispiel Ein-Euro-Billigläden einziehen. „Da hilft nur Überzeugungsarbeit bei den Hausbesitzern“, betonte Stein. Dicke Bretter muss er auch bei einigen Kollegen bohren, sich auf eine Kernöffnungszeit zu einigen: „Es hat sich etwas getan, aber wir brauchen einen langen Atem. Es lohnt sich.“
Der Werbering – er wird nächstes Jahr 40 Jahre alt – hofft nach wie vor auf den Bau des „Orsaycenters“ am Standort des alten Polizeigebäudes. Die Stadt brauche zusätzliche Einzelhandelsfläche. Stein: „Bei einem breiten Angebot in derselben Branche kann der Käufer vergleichen – und bleibt im Ort.“ MEINUNG
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