Kreis Viersen: Einsatzplan beim Amoklauf
VON JOACHIM NIESSEN - zuletzt aktualisiert: 27.11.2007 - 09:59Kreis Viersen (RPO). Die Zeichen stehen auf Alarm. Köln ist überall. Der Beinahe-Amoklauf in der Domstadt sorgt auch im Kreis Viersen für eine Sicherheitsdiskussion. Fakt ist: Die Spezialkräfte der Polizei und die Schulen sind vorbereitet.
Schulen Nach dem Amoklauf 2006 in Emsdetten hat das Land für alle Schulen in Nordrhein-Westfalen eine so genannte „Notfallakte Amok“ verteilt.
Inhalt Dabei handelt es sich um einen Ordner, der den Lehrern Anweisungen und Hinweise geben soll, wie sie sich im Ernstfall verhalten können.
Das Szenario: Die in ein Internetforum eingestellte Warnung verbreitet sich wie ein Lauffeuer und sorgt für Angst bei Eltern und Schülern. Ein Unbekannter, der sich „Devil of Hell“ nennt, mailt einem Mitschüler. „Ich komme aus der Hölle“ und: „Richte allen in der Schule aus, mein Vergeltungsschlag wird unvergesslich sein!“ Der „Teufel“ warnt eindringlich vor einem Schulbesuch am Montag.
Geschehen ist dieser Vorfall Anfang Mai 2007 - in Viersen. Die Schule: das Städtische Gymnasium Dülken. Was sich damals sehr schnell als „übler Scherz“ zweier 16- und 17-jähriger Schüler entpuppte, war für die Polizei anfangs bitterer Ernst gewesen. „Bei einer möglichen Amoktat nehmen wir nichts auf die leichte Schulter“, beschreibt Jürgen Lankes, Chef des Leitungsstabes bei der Viersener Kreispolizei die Situation.
Seit dem Amoklauf 2002 in einer Schule in Erfurt ist bei der Polizei in diesem Punkt nichts mehr so, wie es vorher einmal war. Sollte der Ernstfall in Viersen eintreten, steht ausgebildetes Personal der Kreispolizeibehörde sofort zur Verfügung. „Die Beamten haben solche Situationen speziell trainiert“, so Lankes gestern im Gespräch mit der Rheinischen Post. Sowohl der Faktor „Stress“ als auch praktische Übungen in schulähnlichen Gebäuden wurden dabei berücksichtigt.
Doch nicht nur die Polizisten, auch Lehrer und Hausmeister werden für den Ernstfall fit gemacht. „An 77 der 105 Schulen im Kreis Viersen haben wir bereits entsprechende Info-Veranstaltungen durchgeführt“, sagt Manfred Buchholtz vom Leitungsstab Einsatzangelegenheiten. Unter dem Motto „Sicherheitsstörungen an Schulen“ wird auch über Amok gesprochen. „Die Pädagogen müssen für den Ernstfall sensibilisiert werden“, erklärt der 46-jährige Polizeiexperte. Im Klartext: Anders als im Brandfall, heißt es bei einer Amoktat nicht raus, sondern rein in die Klasse. Türen sollten verschlossen und verbarrikadiert werden, die Schüler sich in die sicherste Ecke des Raumes zurückziehen. Ebenfalls wichtig: Jeder Klassenraum muss für die Polizei telefonisch (Handy) erreichbar sein.
Parallel sollte niemand versuchen, mit dem Amokläufer unmittelbaren Kontakt aufzunehmen. „Dieser befindet sich in einer absoluten Ausnahmesituation“, warnt Karl-Heinz Reyer vom Leitungsstab. „Wenn der Schalter einmal umgelegt ist, kann niemand mit dem Täter in dieser Situation verhandeln. Es besteht keine Möglichkeit, ihn durch Ansprache von der Tat abzubringen. Der Amokläufer ist erst dann wieder aufnahmefähig, wenn er nicht mehr handeln kann - zum Beispiel, weil er keine Munition mehr hat.“
Übrigens: Aus ihrem Verhalten gelernt haben inzwischen auch die beiden Viersener, die im Mai den „Streich“ am Städtischen Gymnasium ins Netz gesetzt haben.
Die Justiz hat die Jugendlichen zu jeweils 60 Arbeitsstunden verurteilt. Dazu gab’s für jeden noch einen Kostenbescheid über 2300 Euro für den polizeilichen Einsatz.
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