Grefrath: Entsetzen nach Kampfhund-Angriff auf Kind
VON LESLIE BROOK - zuletzt aktualisiert: 04.08.2009 - 08:02Grefrath (RPO). Schwere Kopfverletzungen hat ein American Bulldog einem vierjährigen Jungen aus Grefrath zugefügt. Das Kind musste notoperiert werden, schwebt aber nicht in Lebensgefahr. Der Hund wurde umgehend eingeschläfert.
Friedlich grasen fünf Schafe auf der kleinen Weide am Bruchweg im niederrheinischen Grefrath-Oedt. Kinder bleiben stehen, füttern die Tiere mit ein paar Blättern.
Auch am Sonntagabend gegen 20.10 Uhr spielen zwei Jungen aus dem Nachbarhaus und ein befreundetes Mädchen mit den Schafen, als ein Hundebesitzer mit einem American Bulldog vorbeikommt. Das Tier ist angeleint, die Leine jedoch auf rund drei Meter locker gelassen, erzählt eine Augenzeugin.
Hund hatte sich in Kind verbissen
Der kleinere der zwei Jungen bekommt Angst und will weglaufen. Der Kampfhund ist nicht mehr zu halten, stürmt auf den Vierjährigen los und beißt zu. "Der Hund hat sich in das Kind verbissen. Der Mann hatte alle Mühe, den Hund zurückzuziehen", berichtet Gilten Redzepi. Sie hat alles von ihrem Fenster im ersten Stock des Mehrfamilienhauses aus beobachtet. "Der Junge hat geschrieen, überall war Blut, meine ganze Familie ist nach unten gelaufen, um zu helfen", erzählt die 15-Jährige weiter.
Der Kampfhund hatte dem Russlanddeutschen eine schwere Kopfverletzung zugefügt, er musste noch am Abend notoperiert werden. Der Zustand des Jungen ist nicht lebensbedrohlich, eine weitere stationäre Behandlung jedoch erforderlich. Nach Aussage der behandelnden Ärzte ging es dem Jungen gestern "den Umständen entsprechend", berichtete Polizeipressesprecher Wolfgang Wiese.
Wegen solcher Beißattacken hatte das Umweltministerium NRW 2002 eine weitreichende Leinenpflicht und ein Zuchtverbot für Kampfhunde durchgesetzt. Seither ist die Zahl der Beißunfälle zwar deutlich zurückgegangen – von 2003 bis 2007 allein um mehr als 70 Prozent –, vollkommen zu verhindern sind sie jedoch nicht. Bei dem American Bulldog handelt es sich um eine Rasse, für deren Haltung eine behördliche Erlaubnis nach dem Landeshundegesetz NRW erforderlich ist. Nach momentanem Sachstand hat der Oedter eine solche Erlaubnis nicht, so die Polizei. Polizei und Ordnungsbehörde haben straf- und ordnungsrechtliche Ermittlungen eingeleitet.
Tier wurde eingeschläfert
Der Hundeführer hatte nach dem Angriff des Kampfhundes umgehend Krankenwagen und Polizei verständigt und das Tier mit Genehmigung des Ordnungsamtes einschläfern lassen. Der Hund gehörte einem im Ruhrgebiet wohnenden Ehepaar, das dem Oedter den Hund vorübergehend zur Betreuung überlassen hatte. In der Nachbarschaft ist der Mann bekannt. Er hatte mehrere Hunde, auch Kampfhunde, die er auf einem Grundstück mit alter Scheune hält.
"Ich habe Angst um die spielenden Kinder hier", sagt Anwohner Joan Ciocarlan. "So ein Hund sollte einen Maulkorb tragen. Die Tiere sind so gefährlich, dass mir schon als Erwachsener nicht wohl dabei ist." Der Hund hätte "wie verrückt" an der Leine gerissen, der Mann normalerweise Spaziergänge am späten Abend unternommen.
Schafbesitzerin Angela Kretzmann war durch das laute Blöken ihrer Schafe aufmerksam geworden – doch da war es schon passiert. Sie kennt den Hundefreund aus der Nachbarschaft gut. "Auf mich haben die Hunde nicht aggressiv gewirkt. Ich denke, er ist da im falschen Moment vorbeigekommen, der Hund hat die Bewegung gesehen und ist wild geworden."
Der elfjährige Flamur aus der Nachbarschaft weiß, wie es ist, von einem Hund angefallen zu werden. "Auf mich haben sich mal zwei Schäferhunde draufgeworfen. Zum Glück ist nichts passiert." Seitdem hat der Junge Angst vor Hunden. Seine Schwester Gilten kann das verstehen: "Es wäre besser, wenn es keine Kampfhunde mehr gäbe, oder alle einen Maulkorb tragen würden."
Im Treppenhaus liegen noch die blaue Weste, die der Junge getragen hat und ein Fernglas, mit dem er die Schafe beobachtet hat. Joan Ciocarlan macht das traurig. "Kampfhunde sollten eingesperrt werden. Solche Tiere gehören nicht dahin, wo Kinder spielen."
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