Kempen: Erbsen der Kempener Platte
VON JÜRGEN KARSTEN - zuletzt aktualisiert: 21.06.2008Kempen (RPO). Mit der fruchtbaren Kempener Platte verbindet sich für viele Menschen das Bild von prallen Kohlköpfen. Doch die Landwirte gehen auch neue Wege und pflanzen Erbsen, Bohnen oder Porree.
Alternativen
Landwirte rund um Kempen haben als Ausweichmöglichkeit, wenn mit Zuckerrüben nichts mehr zu verdienen ist, längst auch andere Möglichkeiten entdeckt. In St. Hubert zum Beispiel werden viel mehr Spargel und auch Erdbeeren als früher angebaut. „Meist hat sich ein einzelner Landwirt einen Absatz dafür aufgebaut, dann klappt das auch“, sagt Heinz-Josef Tölkes, „wenn das aber zu viele machen, rentiert sich das schon nicht mehr.“
In der Tat bestimmen bis heute Kohl in den verschiedensten Sorten, aber auch der Futteranbau, Mais, Kartoffeln und Getreide das Bild. In diesen Tagen aber kann man um die Thomasstadt auch die Erbsen blühen sehen. Einige Landwirte suchen Alternativen, zumal der Anbau wie bei Zuckerrüben sich derzeit wegen stark gefallener Preise nicht mehr lohnt. Das erklärt Heinz-Josef Tölkes vom Köpershof in Klixdorf. Der Kreislandwirt und Vorsitzende der Kreisbauernschaft hat früher selbst Zuckerrüben angebaut. Seit die Marge für die Landwirte aber zu klein geworden ist, verzichtet er auf den Anbau der Rüben.
Aufwand lohnt nicht mehr
„Früher sind wir mit dem Trecker nach Bedburg und Wevelinghoven gefahren, aber da sind die Fabriken ja alle dicht. Wir haben unsere Rüben zuletzt noch nach Apeldoorn/ Niederlande gefahren. Da war man dreieinhalb bis vier Stunden unterwegs“, sagt Tölkes. Dieser Aufwand lohnt sich sowieso nicht mehr. Lkw holen die Rüben heute bei den Landwirten ab. Heute weichen einige Landwirte, auch auf der Kempener Platte, auf den Anbau von Erbsen, Strauch- und dicken Bohnen oder Porree aus. In der Regel geht das Gemüse an Niederländer. „Nach den Erbsen, die bei normalem Wetter zur Kempener Kirmes reif sind, kommen die Bohnen, eine gute Folgekultur. Die Bohnen kann man dann im September ernten. Die Erbsen haben auch den Vorteil, Stickstoff-Sammler und nicht Stickstoff-Zehrer zu sein.“ Das erspare den Einsatz von Stickstoff-Dünger, sagt der erfahrene Landwirt. Der 63-jährige Heinz-Josef Tölkes ist seit fast einem halben Jahrhundert in der Landwirtschaft tätig.
Der Klixdorfer Landwirt baut zum ersten Mal Erbsen an. Dabei entstehen Maschinenkosten, dafür werden Personalkosten eingespart. Ein besonderes Problem beim Anbau von Erbsen ist der Vogelfraß: Vor allem Ringeltauben fallen gerne in Scharen ein und machen sich über die für sie leckeren Erbsen her. „Unter einer Anbaufläche von fünf Hektar ist das Risiko zu groß, dass durch Vogelfraß zu viel zerstört wird“, weiß Tölkes. Schussanlagen müssen da helfen, die Tauben abzuhalten. Viele Schäden richten die Vögel übrigens auch beim Kohl an: Sie picken das „Herz“ heraus, der Kohlkopf ist hin.
Erbsen müssen bei Nacht oder spätestens in aller Frühe geerntet werden, sagt Tölkes. Und die müssen dann ruckzuck zur Fabrik, damit sie frisch in die Produktion gelangen. Auch in diesem Fall holen die Container-Lkw die Ware am Hof ab. Die Verbraucher bevorzugen in aller Regel die kleinen, feinen Erbsen. Sie bringen deshalb dem Landwirt mehr, aber es gibt natürlich bei der Ernte nicht nur die kleinen und feinen Erbsen. Frage des Tages
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