Kempen: Es weihnachtet sehr im Museum
zuletzt aktualisiert: 30.09.2006Kempen (RPO). Doris Morawietz baut im Kempener Kramer-Museum eine große Ausstellung über den geschmückten Lichterbaum und seine Geschichte auf. Sie bittet die Bürger um zeittypisches Mobiliar als Leihgabe.
Möbel gesucht
Das Kempener Kramer-Museum sucht als Leihgaben typische Möbel aus den 60er Jahren, z.B. ein Sitzmöbel mit Tisch, aus den 70er Jahren ein Ikearegal, Rattanmöbel, ein Sitzsack oder -kissen und aus den 80er einen schwarzen Ledersessel mit Chromgestell, Glas- oder Plexiglastischchen oder zwei Freischwingerstühle. Weitere zeittypische Möbel sind willkommen.
Gesucht werden außerdem passende Teppiche (etwa aus den 50er Jahren) und Accessoires. Gefragt ist Spielzeug des jeweiligen Jahrzehnts. Vielleicht gibt es ein Foto dazu, auf dem der Beschenkte mit neuem Spielzeug unter dem Weihnachtsbaum sitzt.
Ansprechpartnerin ist Doris Morawietz, Telefonnummer (0 21 52) 917-383 oder 917-264.
In diesen sonnigen Herbsttagen herrscht bereits vorweihnachtliche Stimmung im Städtischen Kramer-Museum in Kempen. Wissenschaftliche Mitarbeiterin Doris Morawietz richtet gemeinsam mit der Mönchengladbacher Sammlerin Monika Lennartz die Ausstellung „Kultobjekt Weihnachtsbaum. Der geschmückte Lichterbaum und seine Geschichte“ ein. Für die Schau, die vom 12. November bis Ende Januar laufen wird, sucht das Museum noch Leihgaben von Bürgern: Typisches Mobiliar aus den 60er bis 80er Jahren. Mit Doris Morawietz sprach gestern RP-Redakteur Gert Udtke.
Draußen scheint die Sonne, es ist 20 Grad warm. Wie fühlen Sie sich beim Weihnachtsbaumschmücken?
Morawietz Das kann ich völlig voneinander trennen. Ich bin da einfach bei der Sache. Weihnachtsgefühle kommen jedenfalls nicht auf. Das Schmücken der Bäume hat ohnehin die Sammlerin Monika Lennartz übernommen. Sie hat in Kempen schon die Ausstellung über religiöse Volkskunst ausgestattet.
Wie ist überhaupt die Idee zu einer solchen Ausstellung entstanden?
Morawietz Unsere Museumsleiterin Dr. Elisabeth Friese hatte im Frühjahr die Idee, ob wir nicht noch einmal eine Ausstellung zum Thema Weihnachten machen sollten, zumal die Schau über Engel vor einigen Jahren so gut besucht war. Ich wollte das gern machen. Zwei Wochen später kam unabhängig von diesen ersten Überlegungen die Anregung von Frau Lennartz, Weihnachtsbaumschmuck zu zeigen. Das hat sich alles zufällig überschnitten, aber wir waren alle einer Meinung.
Was werden die Besucher zu sehen bekommen?
Morawietz Frau Lennartz hat unglaublich viel historischen Christbaumschmuck zusammengetragen, so dass wir mehr als zehn Bäume aus verschiedenen Epochen zeigen können. Das beginnt mit einem nachgestellten mittelalterlichen „Ursprungsweihnachtsbaum“, behängt mit Gebäck und Äpfeln. Es geht weiter über Bäume aus dem Biedermeier Mitte des 19. Jahrhunderts mit ganz schweren Glaskugeln über Jugendstil- und Art-Deco-Exemplare bis in die 30er Jahre. Die Nazis haben damals versucht, christliche Symbole zu verdrängen; da gab es zum Beispiel Kugeln mit Runen. Eine Kempenerin stellt uns ihre „Kriegs-Krippe“ aus Stoff- und Abfallresten zur Verfügung. In der Nachkriegszeit, in den 50er Jahren, lehnte sich der Schmuck wieder stark an den Jugendstil an: Silberne Kugeln und viel Lametta hingen an den Bäumen. Langsam kamen auch elektrische Kerzen auf. In den 60er Jahren waren Strohsterne unter dem Motto „Zurück zur Natur“ modern, dann der skandinavische Stil mit Holzschmuck. In den 80er Jahren folgten Designer-Bäumchen mit Kugeln und Schleifen in einer Farbe. Heute geht es mehr ins Kunterbunte, eben wie es einem gefällt.
Zum Beispiel?
Morawietz Wir versuchen, einen Trendbaum 2006 zu schmücken, und zwar in Schwarz-Rot-Gold.
Wird es in den Museumsräumen von den Tannenbäumen rieseln?
Morawietz Nein, wir verwenden Kunststoffbäume von 60 bis 180 Zentimeter Höhe.
Warum rufen Sie jetzt Bürger auf, für die Ausstellung alte Möbel auszuleihen?
Morawietz Wir wollen die Weihnachtsbäume in ihrer Epoche, im zeitlich jeweils passenden Wohnzimmer zeigen, denn das Kramer-Museum präsentiert ja Wohnkultur der vergangenen Jahrhunderte. Möbel vom Biedermeier bis in die 50er Jahre haben wir im eigenen Bestand, aber danach fehlt uns geeignetes Mobiliar. Wir möchten, dass die Besucher in einer stimmungsvollen Atmosphäre viel zu gucken haben. Deshalb zeigen wir in Vitrinen zusätzlich weihnachtliches Beiwerk, zum Beispiel Pappteller für Süßigkeiten oder Exponate aus der Sarotti-Sammlung eines Kölner Leihgebers. Und am 26. November wird es einen vorweihnachtlichen Museumsbasar mit Kunsthandwerkern geben.
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