Kempen: Freude über jede Kleinigkeit
VON STEFAN FINGER - zuletzt aktualisiert: 21.02.2007Kempen (RPO). Neun Schülerinnen und Schüler sowie vier Lehrer halten sich derzeit in Willichs Partnerstadt Zogoree in Burkina Faso auf, wo sie arbeiten und kulturelle Erfahrungen machen. Ihre ersten Eindrücke geben ein buntes Bild wieder.
Willich/Zogoree „Zum Glück habe ich keine Berührungsängste mehr“, sagt Kirsten Jensen, während sich eine Menschentraube afrikanischer Kinder um sie schart. Immer mehr Kinder laufen herbei, um das Bild zu sehen, das Kirsten gerade mit ihrer Digitalkamera vom Markt in Zogoree gemacht hat. Sie lachen und husten und wollen einmal Kirstens Hand berühren.
Noch vor drei Jahren, als Kirsten zum ersten Mal in Willichs Partnerstadt im Norden des westafrikanischen Landes Burkina Faso war, konnte sie nicht auf die Menschen zugehen. Jetzt hat sie damit keine Probleme mehr. „Dieses Mal ist es ein wirklicher Austausch für mich. Vor drei Jahren kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus.“ Am meisten erschreckt Kirsten die Armut in den Grundschulen. Bei vielen Eltern sei noch nicht einmal das Geld für eine Geburtsurkunde vorhanden, die Bedingung für die Einschulung ist. „Ich werde versuchen, eine Partnerschaft zwischen einer Willicher Grundschule und einer Basisschule in Zogoree aufzubauen. Die Grundschüler hier haben ja noch nicht mal Stifte und Papier“, sagt sie. Eine Schulpartnerschaft besteht bereits zwischen dem „Collegé du d’éducation générale“, kurz CEG, und der Willicher Robert-Schuman-Gesamtschule.
Hilfe zur Selbsthilfe
Schon kurz nach Beginn der Partnerschaft im Mai 1985 waren Besucher aus Willich in Zogoree. Im November 1986 kamen die stellvertretende Bürgermeisterin Renate Tippmann, Heidi Heeger und Hans Grips aus Burkina Faso zurück. Sie berichteten von Not und Hilfsbedürftigkeit, aber auch von den ersten positiven Hilfen zur Selbsthilfe.
Neun Schüler und vier Lehrer aus der Gesamtschule und dem Schiefbahner St. Bernhard-Gymnasium halten sich zurzeit in Willichs Partnerstadt auf. Dort haben sie unter anderem im CEG Bäume gepflanzt, den Schülern Briefe aus Willich übergeben, Fußball- und Handballfelder erstellt, Kugelschreiber und Buntstifte verteilt und viele Schulen, Gärten und Brunnen besichtigt. Auch ein Besuch bei der ehemaligen Beschneiderin von Zogoree, im Frauenhaus, bei der Entbindungsstation, in der Sonntagsmesse, in der Krankenstation und auf dem Markt in Zogoree standen auf dem Programm. „Ich bin richtig von der Lebensfreude überrascht. Die Menschen hier freuen sich über jede Kleinigkeit. Und die Kinder schauen dich mit riesigen Augen an, als wenn du ein Außerirdischer wärst“, sagt die 17-jährige Gesamtschülerin Patricia Goltz. Unangenehm empfand sie, dass sie wie Könige behandelt wurden. „Bei der Grundsteinlegung der Schule im Departement Banh wurden die Leute von ihren Plätzen verjagt, nur damit wir einen Sitzplatz im Schatten hatten“, erzählt Patricia. „Dabei haben wird nur das Glück, in Europa geboren zu sein.“
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