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Stadt Kempen: Geborgen in der Kinderkapelle

VON GERT UDTKE - zuletzt aktualisiert: 10.02.2011

Stadt Kempen (RPO). Der Kempener St. Annenhof hat seine Kapelle, die die Schwestern Unserer Lieben Frau mehr als hundert Jahre lang nutzten, neu gestaltet. Hier erfahren nun Heimkinder Glaube, Ruhe und Kraft. Das Angebot ist freiwillig.

In der neu gestalteten Kapelle sind kürzlich drei Geschwister aus dem Heim getauft worden. Im März werden vier weitere Taufen gefeiert, kündigten Heimleiter Herbert Knops und geistliche Begleiterin Claudia Tißen an.  Foto: RPO
In der neu gestalteten Kapelle sind kürzlich drei Geschwister aus dem Heim getauft worden. Im März werden vier weitere Taufen gefeiert, kündigten Heimleiter Herbert Knops und geistliche Begleiterin Claudia Tißen an. Foto: RPO

Nach dem Wegzug der letzten Ordensschwestern Unserer Lieben Frau vor gut einem Jahr war die Frage, was mit der Kapelle im St.Annenhof an der Oelstraße geschehen sollte. Rasch kam die Idee auf, daraus eine Kinderkapelle für die Jungen und Mädchen des Heims zu machen. Sehr oft haben sie mit Kirche und Religion nur wenig oder gar nichts im Sinn, weiß Leiter Herbert Knops. Aber als kirchliche Einrichtung in Trägerschaft der Propsteipfarre wolle sie den Kindern ein Angebot machen, "hier ein Stück weit Glaube und Religion zu erfahren und zur Ruhe zu kommen, unabhängig von ihrem Glauben oder ihrer Konfession." Das sei "kein Missionsauftrag", betont Knops die Freiwilligkeit. Ein solches religiöses Angebot gehöre einfach sinnvoll dazu wie das Internet-Café oder die Hausaufgabenbetreuung.

Info

St. Annenhof

Gründung 1889 als Waisenhaus

Träger der Einrichtung an der Oelstraße 9 ist die katholische Prop-steipfarre St. Mariä Geburt in Kempen

Leiter Herbert Knops

Angebote Stationäre Hilfen, unter anderem drei Kinderheimgruppen, zwei Diagnosegruppen und eine Außenwohngruppe, teilstationäre Hilfen und flexible ambulante Erziehungshilfe

Internet www.st-annenhof.de

Das Leben im Vordergrund

Für die Kinder wurde die Kapelle, die entgegen mancher Gerüchte, wie es hieß, nie entwidmet oder entweiht wurde, freundlicher mit hellen Wandfarben gestaltet. Anstelle des Leidvollen sollte die Frohe Botschaft in den Vordergrund rücken. "Leid haben unsere Kinder genug selbst erlebt", so Knops. Deshalb wurde nach längeren Diskussionen das große Kreuz mit dem Korpus des von Schmerzen gezeichneten Jesus abgenommen. Das neue aufgemalte Kreuz drückt stärker die Auferstehung und das Leben aus. Die Bänke rückten aus der Mitte an die Seitenwände, um Platz für einen Gesprächskreis auf bunten Sitzkissen, Decken und Teppich zu schaffen. Die Heiligenfiguren stiegen auf den Boden hinab in Augenhöhe mit den Kindern.

Die Künstlerin Nina Stiber aus Issum hat die Stirnwand bemalt. Rechts zeigt sie den guten Hirten Jesus mit zwei spielenden Kindern an seiner Seite, links den zerrissenen Tempelvorhang, der nicht länger Gott und Mensch trennt. Gegenüber verbindet ein Regenbogen Himmel und Erde, eine Taube als Symbol des Friedens trägt einen Ölbaumzweig im Schnabel. An den Seitenwänden hängen selbst gemalte Bilder der Kinder; eine große bunte Kerze haben sie in der Abtei Mariendonk angefertigt.

Mit Leben erfüllt Claudia Tißen (40) die Kapelle. Mittwochs und donnerstags gibt es feste Termine, an denen sich die Heimkinder – mal drei, mal 20 – mit ihr als geistlicher Begleiterin treffen. In Bibelstunden diskutieren sie Glaubensfragen, "angefangen bei Adam und Eva". Tißen findet es spannend, wie interessiert sich die Kinder beteiligen: "Sie fühlen sich hier angenommen, sammeln Kraft und Vertrauen für ihr Leben." Außerhalb dieser festen Zeiten ist sie telefonisch erreichbar. Weitere Pläne sind kleine Wallfahrten nach Köln und Kevelaer und ein Malprojekt "Kreuzweg" zu Ostern.

Geprüfte Heilsorgerin

Die ehemalige Zahnmedizinische Fachangestellte, die sich zur Heilsorgerin weitergebildet hat, ist schon länger in der Propsteipfarre ehrenamtlich tätig, betreut zum Beispiel die Krabbelgottesdienste. Finanziert wird ihre Stelle als geistliche Begleitung im Annenhof sowie die Umgestaltung der Kapelle von der Schwester-Ina-Stiftung und deren Spendern, teilt deren Leiter Heinz-Wilhelm Wolters mit.

Quelle: RP

 
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