Kempen: Google fotografiert Kempen
VON HANNA KOCH UND JOACHIM NIESSEN - zuletzt aktualisiert: 02.07.2009 - 09:27Kempen (RPO). Bilder aller Straßenzüge sollen im Internet zu sehen sein. Suchmaschinenbetreiber Google schickt Autos mit Kamera durch die Orte und macht Fotos. Er war in Oedt, fährt durch Kempen. Hausbesitzer können Bilder löschen lassen.
In Oedt wurden die Autos schon gesichtet, in Kempen sind sie in diesen Tagen unterwegs: Im Auftrag des Internetdienstleisters Google fahren sie durch die Orte, um Fotos von Straßenzügen zu machen. Die werden von Google so programmiert, dass Internetnutzer visuelle Stadtrundgänge unternehmen können. Das Ganze nennt sich „Street View“ und ist in den USA und in europäischen Großstädten bereits erfolgreich angelaufen. „In Deutschland laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren“, sagt Google-Pressesprecher Stefan Keuchel.
In Nordrhein-Westfalen will das Unternehmen zunächst Bildmaterial aus größeren Städten sammeln. Zurzeit sind die Autos mit den automatischen Kameras unter anderem im Kreis Viersen unterwegs. „Langfristig wollen wir den Street-View-Service überall anbieten“, so Keuchel. Das Programm biete schließlich viele Vorteile: „Nutzer können sich vor ihrem Urlaub Hotels und Sehenswürdigkeiten ansehen“, erklärt Keuchel. Oder vor Ort schauen, ob das in der Suchmaschine gefundene Restaurant optisch gefällt.
Street View Schon jetzt haben Hausbesitzer die Möglichkeit, der Veröffentlichung der Fotos zu widersprechen.
Kontakt Per Brief an Google Germany GmbH, betr.: Street View, ABC-Straße 19, 20354 Hamburg. Oder per Email unter streetviewdeutschland@ google.com
Infos Unter http://maps.google .de/streetviewinfo
Auch Umzugswilligen soll das Programm helfen, im Vorfeld die Umgebung der neuen Heimat virtuell zu erkunden. Dass aber die Häuser frontal zu sehen sind, ruft Kritik hervor: Immobilienbesitzer fürchten, dass clevere Diebe die frei zugänglichen Bilder nutzen, um sich über Einbruchsmöglichkeiten zu informieren.
„Die Städte haben gegen diese Aufnahmen keine rechtliche Handhabe. Nach Aussagen des NRW-Landesbeauftragten für den Datenschutz können aber Personen, die verhindern möchten, dass ihr Bild oder Bilder von ihrem Haus oder ihrem Auto im Internet erscheinen, der Veröffentlichung selbst widersprechen“, betont Viersens Pressesprecher Peter Abrahams. Die Aufnahmen seien allerdings legal, denn sie entstehen im öffentlichen Raum, räumt Keuchel ein: „Aber Gesichter und Autokennzeichen werden verpixelt.“
Was manche Bürger dennoch ärgert: Google kündigt seine Kamerafahrten nicht an. Und die schwarzen Wagen mit den großen Kameras sehen nicht gerade vertrauenerweckend aus. Ein Widerspruch gegen die Veröffentlichung von Aufnahmen der eigenen Person, von eigenen Kraftfahrzeugen und selbst bewohnten oder genutzten Gebäuden sowie von Grundstückseigentum kann bei Google formlos erhoben werden - und zwar auch schon bevor die Fotos im Internet erscheinen. „Betroffene können sich per Brief oder Email an uns wenden“, sagt Google-Sprecher Stefan Keuchel.
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