Kempen: I oder O, aber bitte mit Sahne
VON GERT HOLTMEYER - zuletzt aktualisiert: 07.08.2007Kempen (RPO). Zu einem „Überraschungsabend“ hatte ein Schauspieler-Sextett der Neersener Schlossfestspiele eingeladen. Es wollte einmal aus dem alltäglichen Probenbetrieb ausbrechen – und inszenierte seine eigene Show.
Neersen Mit dabei waren Kathrin Anna Stahl, Michael Foerster, Jürgen Hoppe, Marc Suesterhenn, Carl-Ludwig Weinknecht und Bernd Plöger. Im voll besetzten Schlosskeller boten sie den hundert Zuschauern ein abwechslungsreiches Programm mit Rezitationen, Imitationen und Parodien. Das Publikum fand an den in schnellem Wechsel folgenden Darbietungen sichtlich Gefallen, auch wenn manchen Rezitationen der letzte Schliff fehlte.
Zu hören waren boshaft-bissige Gedichte von Erich Kästner ebenso wie witzige Sprachspiele, auf o wie „ottos mops“ von Ernst Jandl oder auf i wie „gittis hirsch“ von Robert Gernhardt. Gernhardt war darüber hinaus mit einer Reihe weiterer kurzer skurriler Texte im Programm vertreten.
Die letzte Woche
Der Überraschungsabend „Unsere eigene Show“ war gedacht als Auftakt zur letzten Woche der diesjährigen Neersener Festspiele. Sie waren am 3. Juni mit „Des Kaisers neue Kleider gestartet. Mit einer Opern- und Operettengala wird die Saison am kommenden Sonntag, 12. August, enden.
Als Pantomime überzeugte Jürgen Hoppe. In „Blind Date“ kämpfte er einen vergeblichen Kampf mit den Fäden, an denen eine Blume und eine Puppe befestigt waren. Als trauriger Held begriff er, dass er sich aufgrund der Fäden seiner Angebeteten nicht wirklich nähern konnte. Als er folgerichtig den Faden abschnitt, hatte der Puppenkopf keinen Halt mehr und knickte ab – das Werben war ad absurdum geführt.
Als aufgedonnerte Blondine verkleidet kämpfte Hoppe bei einem Strand-Picknick einen weiteren vergeblichen Kampf, diesmal gegen Ameisen. Talent zum Popstar bewies Marc Suesterhenn, der als Franco Weiss („Mallorca Amor“) und Udo Jürgens („Aber bitte mit Sahne“) gekonnt die Marotten von Schlagersängern imitierte und parodierte. Carl-Ludwig Weinknecht ließ in „Das Ganze ein Stück“ von Friederike Roth das Publikum an den Qualen eines Schauspielers teilnehmen, der sich zwar mit Besessenheit in jede Szene vertieft, aber vom Sinn des Stücks nichts verstanden hat und deshalb auch mit den einfachsten Szenen nicht zurechtkommt. Davon, dass man seinen Kopf oben behalten muss und dass das nicht immer geht, kündet der „Barbara-Song“ aus Bert Brechts „Dreigroschenoper“. Kathrin Anna Stahl sang ihn ganz ohne Instrumentalbegleitung. Das war kein einfaches Unterfangen, denn es fehlte so im Refrain das aufpeitschend-motorische Element. Dennoch war Stahls Vortrag sehr musikalisch. Sie interpretierte die Rolle als jugendliche Naive, die noch nicht ganz verstanden hat, dass ihre Naivität verloren gegangen ist.
Regisseur und Conférencier Bernd Plöger teilte dem Publikum mit, dass die Neersener Schlossfestspiele den beteiligten Bühnen-Akteuren viel Freude gemacht hätten und dass sie jetzt mit Wehmut auseinander gingen.
Einen alten Theaterbrauch aufgreifend warfen alle Mitwirkenden eine Münze über die Schulter hinter sich. Damit bekundeten sie ihren Wunsch, im nächsten Jahr wieder mit von der Partie zu sein.
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