Kreis Viersen: "Jamaika" sorgt bei den Grünen für Debatten
VON FRANK SCHLIFFKE - zuletzt aktualisiert: 03.11.2009Kreis Viersen (RPO). Bei der Kreisdelegiertenversammlung der Grünen ging es um die Zusammenarbeit mit anderen Parteien. Fazit: Die Schwäche der SPD verhindert die gewünschten Mehrheiten jenseits von "Schwarz-Gelb". Manfred Böttcher (Schwalmtal), gemeinsam mit Marianne Lipp (Niederkrüchten) Vorsitzender der Kreis-Grünen, wählte bei der Kreismitgliederversammlung der Grünen Auto-Vergleiche. Wenn er an seine Heimatstadt Viersen denke, sagte der gebürtige Dülkener, falle ihm zuerst BMW ein: "Böttcher muss weg." Dann habe Toyota im Mittelpunkt gestanden: "Nichts ist unmöglich." Nun lese er von einem "vertragslosen Jamaika-Bündnis gegen den SPD-Bürgermeister". Da frage er sich, ob die Grünen nun in einem Opel "am Rande der Pleite" oder in einem "Borgward für das schwarz-gelbe Automuseum" unterwegs seien. Allerdings, fügte der Kreisvorsitzende hinzu, sei dies nur "meine Einschätzung ohne genaue Kenntnis der Hintergründe". In eine ähnliche Kerbe schlug Arvid Bell vom Bundesparteirat der Grünen. Der 25-jährige Euskirchener, der laut Böttchers Worten als "personalisierte Zukunft der Grünen" gilt, lehnte Jamaika-Bündnisse ab: "Wir dürfen nicht das Ersatzrad spielen, wenn es für Schwarz-Gelb allein nicht reicht." Andererseits, gab der Parteistratege in seinem Impulsreferat zu, könne es durchaus Argumente für die Zusammenarbeit geben, wenn es mit der "erodierenden", sich auflösenden, SPD keine "Machtoption" gebe.
Norbert Dohmen von den Viersener Stadt-Grünen verteidigte die "Kooperation, nicht Koalition" der Grünen mit CDU und FDP in der Kreisstadt. Die in Zeiten ihrer absoluten Mehrheit "fast diktatorisch regierende" CDU habe sich in den vergangenen fünf Jahren grünen Positionen "deutlich angenähert". Dagegen seien konstruktive Gespräche mit den Sozialdemokraten weder in der abgelaufenen Wahlperiode noch nach der Wahl möglich gewesen. Maria Dittrich wies ergänzend darauf hin, dass im Viersener Rat verhindert werden musste, dass "der NPD-Mann das Zünglein an der Waage spielt".
Mit der SPD geht es nicht
Unterstützung fand die Position der Viersener bei Jürgen Heinen, dessen Schwalmtaler Grüne bei der Kommunalwahl mehr als 20 Prozent der Wählerstimmen erreicht hatten. Auch für ihn sei "Jamaika" nicht erstrebenswert. Er sehe aber, dass es "mit der SPD nicht geht". Allerdings hätten die Viersener Stadtgrünen bei der Ratswahl das schwächste grüne Ergebnis im Kreis erreicht. Die Zusammenarbeit mit CDU und FDP sei "gefährlich", man müsse darauf achten, dass das "grüne Projekt" deutlich wird.
Bei den Wahlen der vier Delegierten für die Landeskonferenz der Grünen erreichte Manfred Böttcher 32 Stimmen. Je 31 Stimmen bekamen Jeyaratnam Caniceus (Kempen) und Maria Dittrich. Martina Maaßen aus Viersen erhielt 29 Stimmen.
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