Stadt Kempen: Kempener durchschaut Adressbuchschwindel
zuletzt aktualisiert: 12.01.2011Stadt Kempen (RPO). Die IHK Mittlerer Niederrhein warnt vor unseriösen Adressbuchverlagen. "Momentan gehen diese Schwindler wieder verstärkt auf Kundenfang", warnt IHK-Rechtsexpertin Nadja Carolin Kümmel.
"Leider gelingt es ihnen immer wieder, ihre Opfer zu täuschen." Unternehmer Manuel Nothelfer dagegen schöpfte Verdacht. Wie viele andere Firmen erhielt auch die NC Nothelfer Capital UG in Kempen unangenehme Post. Innerhalb eines Tages landeten auf dem Schreibtisch des Unternehmers gleich vier als Rechnung getarnte Angebotsformulare unseriöser Adressbuchverlage. "Mir war schnell klar, dass es nicht um Einträge in das örtliche Handelsregister ging", berichtet Nothelfer. "Andere Verträge mit Adressbuch-Anbietern hatte ich auch nicht geschlossen."
Scheinrechnungen
Der Kempener Unternehmer wandte sich an den Geschäftsbereich Recht / Fair Play der IHK. Rechtsanwältin Nadja Carolin Kümmel erklärte ihm die Masche der Schwindler: Den Empfängern dieser Scheinrechnungen – häufig unerfahrene Existenzgründer – werden Zahlungsverpflichtungen aus angeblich bereits geschlossenen Anzeigenverträgen vorgetäuscht.
"Nur der Blick ins Kleingedruckte verrät, dass der Vertrag erst durch das Bezahlen der geforderten Summe oder Rückübersendung des Formulars zu Stande kommt", erklärt Kümmel. "Die Werbemethode dieser unseriösen Angebote setzt an den Schwachstellen eines Betriebs an." Denn häufig werden die Schwindel-Formulare während der Urlaubszeit versandt. Oft sind die Buchhaltungsabteilungen dann unterbesetzt. Die Schwindler hoffen, dass die Zahlungen dann möglichst ohne genaue Prüfungen angewiesen werden.
"Diese unseriöse Methode des Kundenfangs ist für die Schwindler sehr lukrativ und lässt sich leider nicht ausrotten", sagt Nadja Carolin Kümmel. Trotz wiederholter Warnungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages und des Deutschen Schutzverbands gegen Wirtschaftskriminalität (DSW) entwickeln unseriöse Verlage immer wieder neue Varianten der Masche, auf die regelmäßig unwissende Unternehmer hereinfallen. Besonders dreist: Oft gestalten die Schwindler ihre Angebotsschreiben oder Rechnungsformulare wie die Schreiben von Behörden oder Institutionen mit hoheitlichem Auftrag. "So suggerieren sie Seriosität und setzen die Unternehmer zusätzlich unter Druck, auf das Angebot einzugehen", erklärt Kümmel.
Deshalb warnt die IHK davor, Veröffentlichungsangebote für vermeintlich offizielle Telefonverzeichnisse, Adress- oder Branchenbücher vorschnell ohne Lesen der Vertragsbedingungen anzunehmen. Auch vermeintliche Markenverlängerungsanträge oder Rechnungen für die Inanspruchnahme nie genutzter Dienstleistungen sind keine Seltenheit mehr.
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